Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart 3 Weltbildes auflöst. Während Cassirer den Idealismus der Mar״ burger Philosophie in tief eindringenden Forschungen auf den Gebieten der Natur« und Geisteswissenschaften und insbeson« dere der Geschichte der Philosophie zur Geltung brachte, kon« frontiert er in diesem Werk das Weltbild des philosophischen Idealismus mit dem religiösen Weltbild, wie dieses in der Eigen« art des religiösen Bewußtseins begründet ist. Hier ermöglicht ihm die religionspsychologische und religionsgeschichtliche Forschung der Gegenwart, die grundsätzliche Verschiedenheit des religiösen und des wissenschaftlichen Weltbildes zu er« kennen. Während dieses alle Gegenstände der Erfahrung in ein System allgemeiner rationaler Gesetze einbezieht und durch eine raum«zeitliche Ordnung und durch kausale Verknüpfung in ein Ganzes gesetzlicher Zusammenhänge eingliedert, ist das re« ligiöse Bewußtsein auf das Einzelne als dieses qualitativ eigen« artige Objekt gerichtet, das hier und jetzt zum Gegenstand reli« giösen Erlebens wird. Die Unvergleichlichkeit, Einzigartigkeit, Machterfülltheit, geheimnisvolle Lebendigkeit, überwältigende und an sich ziehende Macht des religiösen Objekts, des Numen, erfüllt das Gemüt mit den beseligenden und erschütternden Schauern des religiösen Gefühls. Wie sehr die numinosen Objekte zu einer Welt des ״Heili« gen“ in heiligen Räumen, heiligen Zeiten, heiligen Zahlen, zu numinosen Zusammenhängen sich zusammenschließen, diese Welt des Heiligen ist eine ganz andere, als die Welt des wissen« schaftlichen Bewußtseins. Und wie groß auch der qualitative Unterschied zwischen den Religionen der Primitiven und den Geistesreligionen, insbesondere dem Monotheismus des Juden« tums ist, wie innig in diesem das Heilige mit den sittlichen Ideen verschmolzen ist, das Heilige der Heilige geworden ist, so ist doch Gott im Judentum der Allmächtige, der Schöpfer und Be« herrscher alles Wirklichen, selbst der zutiefst und ursprünglich Wirkliche und Wirksame. Die Existenz Gottes ist den mono« theistischen Religionen nicht weniger gewiß wie dem mythisehen Bewußtsein der Primitiven die Götter. Damit aber ist für Cassirer Gott gleich den Göttern Objekt eines affektiven, mythischen Bewußtseins, eine Verdinglichung der Objekte der religiösen Phantasie. Kann die Philosophie 1*