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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 2

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 1
Article
Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart
Date
1935-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Albert Lewkowitz Die neugewonnene Erkenntnis der Spontaneität der wissenschaftlichen Methode steigerte Cohen zur Identifizierung der naturwissenschaftlichen und der mathematischen Methode hinsichtlich der Unabhängigkeit auch der Naturerkenntnis von einer ihr gegenüberstehenden, an sich existierenden Wirklichkeit . Nicht nur, daß das ״Ding an sich“ in den Methoden der Erkenntnis nicht der Erkenntnis zugänglich sei, wie Kant lehrte, sondern daß das Ding an sich keine existierende Wirklichkeit, vielmehr nur die Idee der vollendeten Erkenntnis bedeute, ist das letzte Resultat der Cohenschen Logik der reinen Erkenntnis. Damit aber wird die Naturphilosophie Cohens zum absoluten rationalistischen Idealismus. Soll nun das — Cohen in allen Tiefen seiner Persönlichkeit beherrschende — religiöse Bewußtsein mit diesem absoluten Rationalismus seines Systems eine Übereinstimmung finden, so konnte das nur in der Richtung geschehen, daß Gott zur Idee des absoluten Sinnes menschlichen Handelns wurde, den philosophischen Abschluß der idealistischen Ethik bildete in der Idee der Heiligkeit, dem höchsten Vemunftideal menschlichen Strebens. Und selbst die Unmittelbarkeit der religiösen Beziehung des Individuums auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit, auf den Gott der Versöhnung und der Erlösung mußte in die philosophische Correlation der Gottesidee und des Menschen verwandelt werden. So besteht die Tragik des auf tiefsten idealistischen Motiven gegründeten Cohenschen Systems in seinem gleichzeitigen Widerspruch zum Wirklichkeitsgehalt der Wissenschaft und zum Wirklichkeitsbewußtsein der Religion. In der Wucht seiner philosophischen Überzeugung wollte Cohen diesen Widerspruch nicht wahr haben und hinterließ in seinem Werk ״Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums“ das große Bekenntnis zur Identität der jüdischen Religion mit der Religion der Vernunft, in dem die Cohensche Philosophie ihren Abschluß findet. Es ist das Verdienst des bedeutendsten Vertreters des Neukantianismus in der Gegenwart, Ernst Cassirer, daß er in seinem Werk ״Philosophie der symbolischen Formen, II. Teil: Das mythische Denken“ vom Boden der Cohenschen Philosophie aus diese Synthese des religiösen und philosophischen

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