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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 206

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Aus Briefen von W. Gesenius, E. Rödiger, J. L. Saalschütz und J. Ch. Fr. Tuch an Fr. S. F. Benary
Date
1934-01-01
Page
Seite 206 (sequence 4)
Language
German
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206 Eugen Mittwoch auf dem Lande bei einer Familie, die mich zu sich eingeladen und zwar an demselben Orte, wo Hammer1 wohnt, in dessen Hause ich sehr gut aufgenommen und zu jedem Donnerstage eingeladen bin. Ich habe gleich das erstemal dort den Baron von Zedlitz2, den bekannten Dichter der Todtenkränze, kennen gelernt. Mir fehlet wirklich nichts weiter als freilich — Ihr göttlicher Musensitz und meine dortigen Freunde. Meine amtlichen Verrichtungen (denn bis jetzt hatte ich weiter Nichts zu thun, als Gehalt zu nehmen) werden mit den nächsten Wochen angehen. Möglich, daß ich bereits in den Feiertagen3 die Kanzel betrete. In dieser (amtlichen) Hinsicht erwarten mich erfreuliche Aussichten. Was mein wissenschaftliches Leben betrifft, so werde ich hier wohl mehr Zeit zum Arbeiten haben als in Berlin, und Sie dürften vielleicht nach einen! vierthel- oder halben Jahre von mir etwas sehen, was Sie gewiß nicht erwarten werden, wenn Sie von meinen bisherigen Beschäftigungen schließen. Die kaiserliche Bibliothek scheint ganz vortrefflich zu seyn. Man giebt, namentlich wenn man Jemanden ernstlich arbeiten sieht, die Bücher mit vieler Gefälligkeit und Zuvorkommenheit her, und gehet nicht von dem Grundsätze aus, daß dieselben zum Auf — Spei — ehern da sey'n, sondern freuet sich, daß die Schätze benutzt werden. Freilich würde ich manches Buch mit Freuden entbehren, wenn dafür Bopp, Hegel, Ritter, Humboldt u. A. hier wären. Ich fühle jetzt erst, was selbst nur das Bewußtseyn der Nähe solcher Männer wirkt. Wissen Sie nicht ob und wann der Staatsrath Schulze4 herkömt? Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mir, sobald es geschieht, eine Nachricht geben wollten. Wie steht es denn mit Ihren beiderseitigen Indischen und Philologischen Arbeiten? Ich warte recht sehnlichst auf die versprochenen interessanten Dinge. Doch hier gleich etwas worüber ich Ihre Meinungen 1 Der bekannte Orientalist Joseph v. Hammer. 2 Der österreichische Dichter Joseph Christian Freiherr v. Zedlitz, dessen ,,Todtenkränze“ (182B) einen großen Erfolg erzielt hatten. 3 Das Neujahrsfest fiel im Jahre 5590 auf den 28. und 29. September 1829. Saalschutz blieb in Wien als Prediger und Religionslehrer, bis er 1835 nach Königsberg zurückkehrte. 4 Gemeint ist sicher der Staatsrat Friedrich Schultz, der von 1819 bis 1824 ,Regierungsbevollmächtigter bei der Berliner Universität war.

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