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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 192

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Das Motiv vom veruntreuten Depositum in der jüdischen Volkskunde
Date
1934-01-01
Page
Seite 192 (sequence 10)
Language
German
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192 A. Marmorstein Ein Jude zieht in ein Land, dessen Bewohner das Höllenfeuer anbeten. Sie behaupten, daß dieses Feuer vorweltlich sei und zur Bestrafung der Seelen diene. Am Rande dieses Landes ist die Pforte der Hölle. Die Bewohner nehmen vom Feuer der Hölle und beten es beständig an. Tag und Nacht brennt das Feuer, aber es erzeugt keine Asche. Daher gilt es ihnen als eine Gottheit. Die Alten unter ihnen gehen, wenn sie ihr Ende nahe fühlen, zu ihm und opfern dem Feuer in dem Wahne, daß dem der sich der Hölle naht, alle Sünden vergeben werden und der Weg ins Paradies sicher ist. Der Jude wohnte in diesem Lande bei einem alten Manne. Da man ihm sagte, daß auf dem von ihm geplanten Wege viele Räuber seien, die ihm sein Hab und Gut wegnehmen würden, gab er sein ganzes Vermögen dem alten Manne zur Aufbewahrung; denn die Ortsleute waren alle redlich und vertrauenswürdig und hielten es sehr streng mit der Wahrheit. Der Jude ging seines Weges und kehrte erst nach geraumer Zeit zurück. Er fand aber den Alten nicht wieder. Er sei gestorben, wurde ihm gesagt, sei zur r Pforte der Hölle gegangen. Da verlangte der Jude sein Depositum. Keiner wußte Bescheid. Als der Jude klagte, trösteten ihn die Leute: Warte drei Tage, am dritten Tage kommt er wieder, und wird dir deinen Schatz wiedergeben. Nach drei Tagen kam ein Dämon in der Gestalt des Alten und wies seine Witwe und seine Kinder an, wie sie sein Vermögen verwalten sollten. Auch zeigte er ihnen das Depositum des Juden und beauftragte sie, es zurückzuerstatten . Jetzt fragt der Jude den Mann, ob er sich wirklich lebendig in die Hölle gestürzt und warum er so gehandelt habe? Mit der Antwort nicht zufrieden, folgt der Jude der Gestalt, bis sie ihm kundtut, daß sie ein in den Alten verwandelter Dämon sei. Dieses Spiel wird, um die Feueranbeter zu täuschen und irrezuleiten, von Fall zu Fall aufgeführt. Die Verwandlungen von Engeln und Dämonen in Menschengestalt, sind in der Agada recht häufig. Man denke nur an die zahlreichen Geschichten vom Propheten Elijahu1, welcher, wie wir bereits oben sahen, im Traume erscheint und den Bedrückten 1 Z. B. Gen. r. 33 3 und Parall. R. Hijja Rabba b. Taanit 21a. Kahum aus Gimso. AB. des Ben Sira § 20, Ned. 50 B, Ket. 62 B, Ruth zutta 50, Pirke R. E. c. 50 b. Ber. 58a als Zeuge. Pesikta R. Kahana 93a.

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