Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Motiv vom veruntreuten Depositum in der jüdischen Volkskunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 8)
- Language
- German
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190 A. Marmorstein würdig; und er vertraute ihm seine Wertsachen als Depositum an. Nach Ausgang des Sabbaths verlangte‘der Fremde, seinen Beutel wieder. Aber der heuchlerische Fromme leugnete, ihn zu besitzen. Del Arme kränkte sich sehr, und betete zu Gott: ,,Herr der Welt, es ist dir wohlbekannt, daß ich dem Manne meine Habe nur mit Rücksicht auf sein den Geboten gemäßes Verhalten anvertraut habe". Darauf erschien dem Beraubten der Prophet Elijahu nachts im Traume und sagte ihm: ״Geh zur Frau des Heuchlers und sage ihr: Gib mir meinen Beutel. Sollte sie aber ein Zeichen verlangen, so sage ihr, daß sie und ihr Mann am ersten Pessachabend Gesäuertes gegessen haben, und in der Nacht des Versöhnungstages Schweinefleisch". Der Mann tat so und sein Beutel wurde ihm übergeben, der entlarvte Heuchler aber gab seine Scheinheiligkeit auf und kehrte öffentlich zu seinem früheren guten Lebenswandel zurück. Nach der Pesikta waren Mann und Frau ursprünglich Heiden, die zum Judentum übergetreten sind. Die gleiche Erzählung bringt in knapper Form, ohne die wesentlichen Züge zu berühren, der Jeruschalmi1. Im Bagdader Erzählungsbuch (Nr. 96) wird der Vorfall in moderner Fassung von einem heuchlerischen R. Alexander erzählt. Dieser sucht einen Mann zu betrügen, der nach Palästina übersiedelt. R. Alexander verläßt seinen jüdischen Glauben. Als weitere Variante kann die Erzählung von der Begegnung der drei Tannaiten R. Meir, R. Jehuda und R. Jose mit einem Mann namens Kidor angesehen werden. Die drei waren unterwegs und wollten ihr Geld vor Sabbath auf bewahren. R. Jehuda und R. Jose gaben es dem Kidor. R. Meir hatte seine Zweifel, ob ein Mann namens Kidor vertrauenswürdig sei. Daher verbarg er sein Geld auf dem Friedhof. Tatsächlich verleugnete Kidor das ihm an vertraute Geld. Da luden die Tannaiten ihn zu sich ein und fanden heraus, daß er Linsen gegessen habe. Nun gingen sie geradenwegs zu Kidors Weib und gaben ihr dieses Zeichen. Darauf wurde ihnen das Geld ausgeliefert. Als Kidor heimkehrte und sah, 1 Pal. Berachoth II. 3 fernere Parallelen Gasters Exempla Nr. 123, Nissims Maasijot-11 25a. Bagdader Maasijoth, c. 96 und c. 105, s. auch weiter, Farhi. III, f. 36a, b. Joma 83 B, Hullin 106a, Midr. Psalmen.