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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Das Motiv vom veruntreuten Depositum in der jüdischen Volkskunde
Date
1934-01-01
Page
Seite 189 (sequence 7)
Language
German
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Das Motiv vom veruntreuten Depositum in cler j ad. Volkskunde 189 anvertraute Depositum veruntreuen darf. In einem Papyrus wird ernsthaft darüber verhandelt, ob es als Diebstahl gilt, wenn einer seinem Freunde seinen Garten zur Verfügung stellt, damit er dort seinen Schatz vergraben könne, und er den Schatz seines Freundes in der Nacht bei Seite schafft1. Das Bagdader Erzählungsbuch (Maasijoth)2 enthält einen ähnlichen Schwank. Ein Fremder vergräbt Freitags sein Geld in einer Grube neben dem Hause eines alten Mannes. Der Alte sieht das und eignet sich das Geld an. Als der Eigentümer sein Geld nicht findet, geht er zu dem alten Mann und sagt: ,,Rate nur! Ich bin hier her zum Markt gekommen und hatte zwei Geld־ beutel bei mir. Einen vergrub ich an einer Stelle. Was soll ich mit dem zweiten tun? Soll ich ihn an der gleichen Stelle oder anderswo vergraben? Oder empfiehlst du mir, das Geld bei einem vertrauenswürdigen Mann zu deponieren?" ,,Vergrabe den Beutel", sagte der Alte, ,,und zwar an der selben Stelle, wohin du den ersten Beutel gelegt hast". ,,So will ich tun" sagte der Fremde. Da legte der alte Mann rasch den ersten Beutel an seine Stelle, und als der Fremde sich anschickte, den zweiten Beutel zu vergraben, fand er sein Geld wieder. 5. Auch in der jüdischen Legende wird der Heuchler oft gelegentlich der Veruntreuung eines Depositums bestraft. Wohl am bekanntesten ist die Erzählung, die die Pesikta rabbati3 in aramäischer Sprache, und der Midrasch Aggada4 auf hebräisch mitteilt. Ein Wanderer kam eines Freitags in eine fremde Stadt, in der er keinen Menschen kannte. Bei sich trug er einen Beutel voll Geldes. In der Synagoge traf er einen Mann, der Schaufäden und Phylakterius trug. Diesen hielt der Fremde für Vertrauens- 1 Br. Mus. Papyri no 256, ed .Kenyon, s. dazu Po well und Barker. New Cliapters into tke History of Greek Lit. II. Oxf. 1923. Dock vgl. über die Heiligkeit des Depositums nach manchen Philosophen und Hechtslehrern Heinemann, Phiions griecli. und jüd. Bildung, 425. 2 Nr. 29. Ähnlich, wenn auch nicht identisch, ist das Motiv m den Erzählungen hei W. Baumgartner, ARW, 24, 1926, S. 269—270, und bes. Anm. 1. Dort verlockt die Täuschung und die Hoffnung auf größeren Gewinn den Betrüger zur Herausgabe, oder sie führt zur Entdeckung des Depositums. 3 c. 21, ed. Eriedmann, s. III B. 4 ed. Buber, S. 152.

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