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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 188

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Das Motiv vom veruntreuten Depositum in der jüdischen Volkskunde
Date
1934-01-01
Page
Seite 188 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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188 A. Marmorstein lehrt, war sie den Geonim bekannt und von ihnen anerkannt. In Schönblums Ausgabe der Barajta wird die Sünde der Pfandunterschlagung am Schluß mit einer Erzählung erläutert. Leider sind dort nur die Arifangsworte erhalten; sie lauten: יהשלוח יד בפקדון מניין! הכתיב מעשה היה בימי שלמה בג׳ יהודים שהיו מהלכין בדרך בע׳״ש וקדש עליהם היום ושמו ביסהן במקום אחד ובא אחד מהן בשבת וגנב הממון ומצ״ש• בקשו את כיסהון ולא מצאו והלכו לפני המלך ונמצא הגנב וכו. Viel ausführlicher ist die Geschichte im Bagdader Erzählungsbuch wiedergegeben1. Nach ihm steht der Dieb mitternachts auf und versteckt das Geld in einer anderen Grube. Nach Ausgang des Sabbaths finden die Leute das Geld nicht. Die Männer beschuldigen sich gegenseitig des Diebstahls und gehen zum König. Aus ihren Ant- Worten erkennt der König den Dieb. 4. Der christliche Apologet Aristides aus Athen hebt im Tugendkatalog der Christen (e.XV) als besondere Tugend der alten Christen hervor, daß ,,sie hinterlegtes Gut nicht unterschlagen“. Daß dieses in Lv 62 gelehrte Verbot hier besonders betont wird, erklärt sich aus dem Zusammenhang der christlichen mit der alten jüdischen Apologetik unter den Hellenisten. Auch diese weist immer wieder auf die Behandlung des an vertrauten Gutes hin. Geffcken2 * nennt jüdische Prediger und Schriftsteller, die das Verbot der Unterschlagung einschärfen und die treue Be- Wahrung fremden Gutes loben. Die jüdische Lehre hat die Kirche übernommen, und Plinius rühmt in seinem Briefe (X. 96) die alten Christen, die kein Vertrauen täuschen und kein Depositum an sich reißen. Auch Philos Worte bezeugen, welche ethische Beurteilung das Vergehen der Unterschlagung erfuhr? und Origenes tadelt in seinen Homilien4 die Unterschlagung unter Christen. Wie verschieden manche Griechen über die Treue gegenüber fremdem Eigentum dachten, geht aus der Geschichte von Glaukos aus Sparta hervor. Dieser befragt die Gottheit, ob er das ihm 1 Maasijotli Nr. 46. 2 Zwei griechische Apologeten, Lg. 1907, S. 86. 8׳Vgl. auch Quod deus est immut. § 101, wo er dasselbe Argument gebraucht. 4 Vgl. v. Barnack, OrigenAs Homilien I, 67, Herodot VI 86, vgl. L. R. Farnell, Higher Aspects of Greek Religion, S. 14.

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