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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 186

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Das Motiv vom veruntreuten Depositum in der jüdischen Volkskunde
Date
1934-01-01
Page
Seite 186 (sequence 4)
Language
German
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186 A. Marmorstein ist, z. B. Mord, Ehebruch oder Entweihung des Sabbaths. Dafür sollte ich, spricht Gott, dein Leben nehmen. Deine Seele dient als Pfand. Ich tue es aber nicht, sondern gebe dir dein Pfand täglich zurück. 2. Neben den Homilien von Gott als dem treuen Verwalter sind die Sagen und Parabeln vom treulosen Verwalter bemerkenswert. Hier sei zunächst auf einen Dialog zwischen Hadrian und R. Joschua ben Chananja hingewiesen. Der Kaiser beanstandet die Verse Dt 1017 und 324. Wo ist die Gerechtigkeit Eures Gottes? Warum gibt es so viele Blinde, Lahme, Taube, die unschuldig ihr Schicksal tragen müssen? Gott weiß vorher, lautet die Antwort, daß diese Unglücklichen schlecht sein werden. Die Wahrheit dieses Satzes will der Rabbi beweisen. Er nimmt 1000 Denare, geht mit zwei verläßlichen Zeugen zu einem blinden Mann und deponiert bei ihm das Geld. Nach drei Monaten fordert er das Geld zurück. Der Blinde leugnet, es zu besitzen. Er wird vor den Kaiser gebracht, wo die Zeugen gegen ihn Aussagen. Aber er bestreitet noch immer die Wahrheit. Da hört er, wie jemand sagt: Die Frau des Blinden hat sich mit ihren! Liebhaber verabredet, den Gatten zu töten und das Geld zu verjubeln. Jetzt gesteht der Blinde sein Vergehen. Er wird vom Kaiser gründlich gerügt, der Rabbi aber mit einer Juwelen Krone geschmückt und belobt1. Dieser Dialog ist auch im Bagdader Maase-Buch2, in der Sammlung des R. Nissim aus Kairuan3 und in Farhis, Ose Pele4. Obwohl er späten Ursprungs ist, so glaube ich doch, schon im Midrasch der Tannaiten zu Numeri eine allerdings etwas verhüllte Anspielung auf seinen Hauptgedanken zu erkennen. In Sifre Num. §. 116 heißt es5: אמרת הלא יש סובא שעושה כל תועבות שבעולם; das heißt: gibt es denn nicht Blinde, die alle Greueltaten der 1 Seder Elia zufcta, ed. M. Friedmann. S. 41 f. 2 Nr. 74. 3 F. 4a, vgl. Gaster, Exampla, Nr, 407. 4 III f. 58, vgl. auch Jellineks Bet ha ־Midrasch v. 131 nachMaasijoth, ed. Venedig. 1544, 40a. 5 S. ed. Horovitz S. 127.

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