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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 185

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Das Motiv vom veruntreuten Depositum in der jüdischen Volkskunde
Date
1934-01-01
Page
Seite 185 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Das Motiv vom veruntreuten Depositum in der jüd. Volkskunde 185 Demgemäß sprach man in den rabbini sehen Lehrhäusern von Gott als von dem 1בעל הפקדון Gott als Spender des Lebens, Herr der Seele ,wird Herr des Pfandes oder des Depositums ge־־ nannt. In der antimarcionistischen Predigt wird nicht nur das physische Leben, sondern auch das sittliche in den Begriff des Pfandes eingeschlossen. R. Meir2 dehnt diesen Gedanken auch auf das Leben nach der Auferstehung aus. Ein Samaritaner wollte einen Beweis für den Glauben an die Auferstehung. R. Me'ir erzählt ihm von einem vertrauenswürdigen Mann, dem seine Mitbürger ihre Deposita übergeben. Sie deponieren ihre Gegenstände heimlich, und er erstattet sie wieder in aller Öffentlichkeit. Ein Mann aber gab ihm sein Depositum öffentlich. Ihm wird sein Depositum erst recht in aller Öffentlichkeit zurückgegeben werden. Geburt und Tod sind dem ähnlich. Die Empfängnis findet heimlich statt, die Geburt aber in aller Öffentlichkeit. Das Begräbnis ist öffentlich, so muß gewiß doch die Auferstehung in ähnlicher Weise vor sich gehen. Beruria, die Gattin R. Meirs, tröstete ihren Gatten in einer oft wiederholten Legende mit dem Gleichnisse vom zurückgeforderten Depositum3. Auch der Schlußsatz in der Erzählung vom Wundermanne R. Pinchas ben Jair, der sich als gewissenhafter und ehrlicher Aufbewahrer erwies, gehört hierher. Es wird die Lehre verkündet: Von der Gewissenhaftigkeit eines irdischen Frommen läßt sich auf die Verläßlichkeit Gottes schließen, der als בעל הפקדון ersten Ranges gilt4. Die Vorstellung vom Leben als Pfand und Depositum kehrt in einer anonymen5, wahrscheinlich amoräischen Agada wieder, die der des Sifre nachgebildet ist. Ein Mann deponiert bei seinem Freunde ein Depositum. Nach einiger Zeit sagt er zu ihm: Gib mir mein Depositum zurück. Oft ist es ein Pfand für eine Schuld, dann sagt der Mann: Zahle mir, was du mir schuldig bist, dann werde ich dir dein Gut zurückerstatten. Dasselbe gilt für Gott. Der Mensch begeht Sünden, derentwegen er des Todes schuldig 1 Vgl. Sifre § 307, B־. Ada in Gen. r. 53,S R. Acha, s. weiter unten. Seder Elia r. 18, u. mein Doctrine of God I S. 80. 2 Eccl. r. 5,12. 3 Midrasch Mischle, Stettin Seite 28 ab. 4 Deut. r. 3,5. 5 S. Pesikta rabbati c. 34, S. 143a.

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