Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einiges über Bereschit Rabba
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829999-2830001-2849884--52562-2850093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Einiges über Bereschit Rabba 175 entbehrt aber jede Grundlage, da tatsächlich auch am Vormittag des Sabbat die Hagiographen gelehrt werden durften und bei den Predigten vormittags auch benutzt wurden. Viele Petichot im Ber. R. — 76 an Zahl — werden auf bestimmte Amoräer zurückgeführt. Ja, einmal (c. 3) wird sogar eine Peticha vom Tanna R. Simon ben Jochai aufgeführt. Doch rührt bei vielen mit Namen angeführten Petichot nur das Gerippe von• dem betreffenden Amoräer her. Es läßt sich oft nachweisen, daß der Redaktor einen Ausspruch oder eine Deutung eines Amoräers zu einer Peticha verwandte und deshalb die ganze Peticha nach dem Amoräer, dem Urheber der Deutung, benannt hat. So wird z. B. im Kap. 6, R. Jochanan eine Peticha zugeschrieben. Ihr Inhalt besteht aus einer Ansicht des R. Jochanan und Gegenansicht des nach ihm lebenden R. Simon. Die Beziehung zwischen dem Peticha-Text und dem Tora-Abschnitt beruht aber gerade auf der Gegenansicht des R. Simon, während nach R. Jochanan keine eigentliche Verbindung zwischen den beiden Texten besteht. Es ist also klar, daß R. Jochanan hier nicht der Autor der Peticha sein kann. Dies ist auch rein äußerlich erkennbar, da innerhalb der Peticha der Name R. Jochanans erwähnt wird: ר׳ יוחנן פתח וכר אמר ר׳ יוחנן. Solche Formeln kommen auch sonst häufig vor und sie sind so zu verstehen, daß der Derasch, der Anlaß zur Bildung der Peticha gab, in seiner ursprünglichen Form (אמר ר׳ פלוני) aufgeführt wird. Nach einer oder mehreren Petichot geht der Midrasch zur Erklärung des Abschnittes über, die gewöhnlich mit dem ersten Vers der Parascha, an den ja auch die Einleitung anknüpfte, beginnt. Verserklärung reiht sich an Verserklärung bis der ganze Inhalt der Tradition, soweit sie dem Redaktor bekannt war, erschöpft ist. Manchmal gelingt es, den Abschnitt mit dem Vers zu schließen, mit dem die nächste Parascha beginnt, hier und da wird auch mit einer Verheißung geschlossen, in der Regel ist aber der Schluß formlos. Die Quellen, die dem- Redaktor des Ber. R. zur Verfügung standen, waren mündliche und schriftliche. Die Synagogenvorträge verbreiteten sich zu allen Zeiten von Mund zu Mund und wurden auch schriftlich niedergelegt und gesammelt. So erklärt es sich, daß sich mannigfache Berührungspunkte und