Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 163

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Familienreinheit und Sittlichkeit in Sepphoris im zweiten Jahrhundert
Date
1934-01-01
Page
Seite 163 (sequence 38)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830001-2849882--52547-2850081
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Eamilienreinkeit und Sittlichkeit in Sepphoris im 2. Jahrh. 163 Bannes und der Geißelung entgegentrat, begnügte sich der un~ genannte Urheber der andern Baraitha mit der Erklärung, daß, wer den Nachbar als schwer bemakelt beschimpft, selbst als mit demselben Makel behaftet gilt; Das Wort הפוסל, wie gezeigt wurde, bedeutet die Anwendung der in der vollständigeren Baraitha ausdrücklich genannten herabsetzenden Schimpfwörter Sklave und Mamzer. In Sepphoris, wie oben erkannt, gab .es vereinzelte Ahroniden, die ursprünglich Sklaven von Ahroniden und stets in ihrer Begleitung gewesen waren, aber durch ihre Gewandtheit und Kühnheit sich die erforderlichen Zeugen beschaffen und sich als Ahroniden erweisen konnten. Und es gab dort Juden, die von ihren Sklavinnen Kinder hatten und diese, obgleich gesetzlich Sklaven, als ihre erbberechtigten jüdischen Kinder erzogen, ohne ihnen in der gesetzlich vorgeschriebenen Form die Freiheit zu geben. Andererseits gab es jüdische‘Frauen, die von Sklaven oder Nichtjuden Kinder hatten, die nach der in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts in Sepphoris gelehrten Halakhah Mamzere waren, aber als die Kinder der jüdischen Mutter in ihrem Hause aufwuchsen und ihren schweren Familienmakel nicht nur selbst durchs Leben trugen, sondern ihn auch auf ihre Nachkommen vererbten. Das Vorhandensein solcher schwer bemakelten Personen in Sepphoris gab dem schimpfbereiten Manne den naheliegenden Anstoß, seinen Genossen in Gegenwart anderer als Sklaven oder Mamzer zu bezeichnen; und genau das Gleiche scheint im Orte des Urhebers der andern Baraitha vorgekommen zu sein. In Sepphoris scheint die niedrige Schichte der jüdischen Bevölkerung nicht genügend darauf bedacht gewesen zu sein, sich vor der vermeidliehen Vermehrung schwer bemakelter Personen zu schützen, die ausdrücklich als Mamzere bezeichnet werden und in vielen Fällen aus verbotenem, losem geschlechtlichen Verkehr hervorgingen. Auch unter den Ahroniden in Sepphoris gab es vereinzelte bemakelte Personen, aber ihr Makel war weder desselben schweren Charakters, noch des gleichen Grades, und entsprang aus den nur Priestern verbotenen Ehen weniger. Die Lehrer, die infolge der hadrianischen Religionsverfolgung die Schulen aus Judäa nach Galiläa verlegten, lernten bald die bestehende Bemakelung in der jüdischen Bevölkerung von Sepphoris kennen, und wendeten aus religiösen und religionsgesetzlichen Gründen dem Übel ihre

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.