Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein Prinzip der Mischnaredaktion
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Prinzip der Misehnaredakfcion 125 :nicht mehr zu ermitteln sein, denn seit R. Meir werden höchstwahrscheinlich drei Redaktionen gemacht worden sein. Eine, in welche die Ansichten seiner Mitschüler und jüngeren Zei tgenossen aufgenommen wurden, eine andere von. dem Patriarchen R. Juda I und eine dritte von seiner Schule. Von kleineren Zusätzen, wie z. B. eine Halacha von dem Patriarchen R. Juda II, sowie auch von der Frage, ob nicht R. Akiba selbst schon ein Mischnawerk geschaffen hat, soll hier abgesehen werden. Die Mischna ist ein Gedächtnisbuch, sie ist in Hirnhaut eingeritzt gewesen. Beim Buch waren nicht immer logische (rationale) Gründe maßgebend, was ich in meinem Althebräischen Buchwesen dargetan habe, das gilt auch für das Mischnabuch. Man hätte es auch so genannt, da man abe? ספר nicht sagen konnte, nannte man sie הלכות und die einzelnen Teile סדר. Es gibt auch andere Traktate, bei denen Stücke bei späterer Redaktion an die Spitze gestellt wurden, wo aber die Sache nicht in die Augen springt, und der Beweis komplizierter ist. So halte ich die Mischna Jebamoth I 1—4 für eine aus einer nach R. Meir stammenden. Redaktion hinzugefügte, denn nach Mischna I 5 wird die Kontraverse der Schammaiten und Hilleliten gebracht, womit der Traktat zu beginnen hätte. Eine genauere Durchforschung würde noch andere Fälle finden. Mit Rücksicht auf den zur Verfügung stehenden Raum sei nur noch bemerkt, daß nicht selten auch am Ende der Traktate gleichsam als Nachträge ältere Mischnas erscheinen, weiche durch voraufgehende bereits erledigt waren. Als ein solcher Nachtrag wäre die Kontraverse der Schammaiten und Hilleliten über den Scheidungsgrund (Ende Gittin) zu betrachten, welche doch eher an den Anfang als an den Schluß gehört. Nachdem aber die hillelitische Ansicht durchgedrungen und allgemein angenommen war, wurde der ganze Traktat stillschweigend auf diese Ansicht aufgebaut1. Dasselbe 1 Ende Gittin. Vgl. meine ,,Jüdische Ehescheidung“ I, 25, 38 f. Hosea 24; Jesaia 50!; Jeremia 3710־; Ezechiel 17. Nach der Ausgabe von Lowe betonen die Sch. nur das Wort עררה (Deut. 24! nicht• ע־יות דבר), die Hilleliten nur דבר. Es scheint mir sicher, daß diese biblischen Begründüngen nur nach der bereits feststehenden Ansicht gesucht und gegeben wurden. Unzweifelhaft ist die Anschauung der Sch. die ältere und in der Hegel in Palästina befolgte.