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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 116

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
Date
1934-01-01
Page
Seite 116 (sequence 13)
Language
German
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116 I. Heinemann Die Essäer sind also in viel höherem Maße Lebensreformer gewesen; sie führten daher ein Gemeinschaftsleben mit Vorstehern ־und Verwaltern, während die Therapeuten anscheinend nur am Feiertag zu gemeinsamer Mitteilung und Anregung zusammenkamen. Vom Kreise Johannes׳ des Täufers unterschieden sich die Therapeuten vorwiegend dadurch, daß es diesem weit stärker auf das Himmelreich und dessen Vorbereitung ankam; hätte Philon von Zukunftserwartungen der Therapeuten etwas gewußt, so hätte er keinen Grund gehabt, sie völlig zu verschweigen. Andererseits heben sie sich von Männern wie dem Einsiedler Bannus und auch jenen Talmudisten, die in den ,,Wundergarten'f der Geheimlehre eingetreten sind1, durch ihre Zusammenkünfte und ihr gemeinsames Schrifttum ab. Am nächsten kommen ihnen, in der Art des Zusammenlebens2 und in der energischen Konzentration auf die Vorbereitungen zur Ekstase, jene Hechalot- Mystiker, von denen wir sprachen; trotz mancher Unterschiede wird man vielleicht damit rechnen müssen, daß wir in ihnen die Erben der Therapeuten zu sehen haben. Sonst sind Spuren ihrer Wirkung nicht zu erweisen3. Aber verwandte Erscheinungen sind in der Geschichte der jüdischen Mystik häufig4. Es läßt sich 1 Über Gnostiker der Diaspora s. auch Bousset, GGN 1915, 468. Auch sie hatten ihre Visionen. 2 Es ergeht an die יורדי מרכבה der gemeinsame Auftrag, auf die Ausgestaltung des Gebetes zu wirken; vgl. Bloch, MGWJ 1893, 19. Der Gedanke des ,,Herabsteigens“ zur Geisterwelt ist gewiß untalmudisch; ob er — folglich auch die Bezeichnung יורדי מרכבה — mit Scholem EJ IX, 641 als nachtalmudisch zu bezeichnen ist, wage ich bei der weiten Verbreitung der sog. Katabasis-Vorstellung (Jos. Kroll, Gott und Hölle 1932) nicht zu entscheiden. 3 Mit allem Vorbehalt rechnet Poznanski, RE J 1905, 22 mit Einfluß der Therapeuten auf eine etwas später bezeugte Sekte. 4 Die Berührung mit dem Chassidismus in der Schätzung der Musik, die Gulkowitsch, Der ttasidismus 1927, 74 hervorhebt, ist nicht von großem Belang. Denn ob den Therapeuten die Musik als Mittel zu mantischer Erregung diente, wie den Pythagoreern (lambl. Vita Pyth. 65), ist Zweifelhaft; und daß sich die Religionen der Musik ganz aügemein bedienen, wußte auch der Rationalist Maimuni More III 30. Weit wichtiger ist, daß ebenso wie die Therapeuten (§ 68, 83) auch der Chassidismus die Frau stärker und selbständiger hervor treten läßt als das Judentum gemeinhin: Horodetzky, החסידות והחסידים IV 67 ff.

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