Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Sektenfrömmigkeit der Therapenten 115 kam. Immerhin mögen unsere Feststellungen ausreichend um die Einordnung der Therapeuten in das Gesamtbild jüdischer Mystik zu ermöglichen. Das Judentum der nachmakkabäischen Zeit hat zahlreiche Spielarten hervorgebracht, denen die herkömmliche Frömmigkeit so wenig genügte,- wie in der Römerzeit den Zeloten in Palästina und den Führern der furchtbaren Aufstände der Diaspora das durchschnittliche Nationalgefühl. Auch die Verinnerlichung der Frömmigkeit, wie ein Hillel sie anstrebte, in Verbindung mit Pflege des Herkommens und verständiger Rücksicht auf die Notwendigkeit des Lebens, entsprach nicht ihrem Sehnen nach weltüberlegenem Leben1. Sie übersteigerten asketisch die Gebote der Thora und erweiterten die überlieferte Glaubenslehre durch Vorstellungen vom Anfang und Ende aller Dinge, vom Jenseits und von den verborgenen Tiefen der Erde, die sie zu erheblichem Teile aus nicht] üdischen, zumal gnostischen Vorstellungen übernommen, nach ihrem eigenen Glauben aber durch übernatürliche Offenbarung ־— an sie selbst oder an ihre Gewährsmänner — empfangen haben. Zu diesen Richtungen gehören insbesondere Therapeuten und Essäer. Aus der gemeinsamen Grundlage erklären sich viele gemeinsame Züge2, wie die Zurückziehung aus dem Gemeindeleben, Einschränkung der Lebenshaltung, Verwerfung von Handel und Sklaverei, Abneigung gegen den Verkehr mit Frauen, besondere Art der Schrifterklärung3 und mantische Tätigkeit. Einen Fingerzeig für den Unterschied beider Gruppen gibt Philon, wenn er erklärt, daß die Essäer unter Verzicht auf Logik und Physik nur die Ethik bearbeiten, während er im Sinn der Therapeuten den theoretischen Teil der Philosophie den göttlichsten nennt4; dem entspricht es, daß er, wie wir sahen, jene als Vertreter des praktischen, dieke als Musterbilder des theoretischen Lebens bezeichnet. 1 Den Gegensatz zwischen den ״Frommen“ des Rabbinismus und der Sektenfrömmigkeit betont mehrfach Büchler, Types of Jewish Palestinian Piety 1922. 2 Bauer, Krolls RE. Suppl. IV, 416. 8 Philon Qnod omnis probns über 82 spricht von der ״symbolischen“ Darlegung der Philosophie der Essäer. 4 Philon ebd. 80; Vita cont. 67 und zum folgenden 1.