Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 114

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
Date
1934-01-01
Page
Seite 114 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830001-2849879--52492-2850032
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

114 I. Heinemann schauen die Bakchosdiener in ihrer Erregung die Zukunft (de somn. II, 1); Phiions Ausdruck, der den Gegenstand der Schau der Therapeuten absichtlich zu verschweigen scheint, legt nahe, daß dieser •etwas fremdartiger Natur war und sich seinen Lesern schwer nahebringen ließ. Etwas weiter führt der gleichfalls angeführte § 26. Danach reden die Therapeuten auch im Traum von den göttlichen y,Tugenden und Kräften“. Die göttlichen Kräfte sind eine bekannte Vokabel jener Übersetzungssprache Phiions; die Lehre von ihren Funktionen entspricht der Kosmogonie und Kosmologie der Religionen; nach ihrem Wesen betrachtet, stehen sie anstelle der Gottheiten der heidnischen, der Engel der jüdischen Religion1. Will man also Phiions Worte nicht einfach als rhetorische Phrase nehmen, so liegt ihnen der Tatbestand zugrunde, daß die Therapeuten ihre Lehren hatten über Schöpfung und Überwelt. Wir dürfen das um so eher annehmen, da sie sich damit den jüdischen Mystikern dieser und der unmittelbar folgenden Zeit einfügten, die ihren heiligen Sehern durch die Himmelshallen folgten und ihre Lehren (wie es auch von den Therapeuten ,überliefert ist: im Anschluß an die Bibel) als מעשה בראשית und מעשה מרכבה verkündeten. Wieviel in diesem Bilde noch dunkel bleibt, bedarf kaum der Hervorhebung. Insbesondere wissen wir nicht, ob sich die Therapeuten zu der religiösen Volksgemeinschaft in bewußtem Gegensatz fühlten, wie etwa später die Karäer und möglicherweise schon der Kreis des Täufers2, oder ob es ihnen lediglich, wie den Mystikern der Merkaba, die wir erwähnten, und späterhin dem christlichen Mönchtum3 auf eine Vertiefung der Gemeindefrömmigkeit an- 1 Brillier, Les idöes ... de Philon 144 ff.; über den Logos, die oberste der Kräfte, a]s Engel vgl. de faga 101; de somn. I, 62; de eher. 35 u. ö. Bekanntlich nimmt die Spekulation über die מדות, von מדה oder מד (Ps 1332) abgeleitet, auch in der Kabbala einen großen Kanin ein. 2 Lohmeyer, Das Urchristentum I (1932), 48: ״Die Voraussetzung eines solchen Eremitentums ist der Bruch mit dem angestammten Glauben und Leben; und er schließt für den Jaden die Erkenntnis ein, daß . . , nicht mehr das ganze Volk eine heilige Gemeinde ist, sondern heiliger der Einzelne, der in Entbehrung sich verzehrt ... Es ist noch nicht zu erkennen, wie scharf dieser Bruch bei dem Täufer ausgeprägt wurde.“ 3 Parpert, Das Mönchtum (1930), 10: ״Was das Mittelalter an Innerlichkeit und Tiefe erfuhr, erfuhr es vom Mönchtum her.“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.