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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 111

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
Date
1934-01-01
Page
Seite 111 (sequence 8)
Language
German
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Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten 111 Typen der Lebensvergeistigung auf seine Helden überträgt1. Eher ist zu beachten, daß er das Fasten der Therapeuten (§ 35) ג durch den ,,Drang nach Wissen“, die Ehelosigkeit (§ 68) durch das . ,,sehnsüchtige Verlangen nach Weisheit“ motiviert. Bedenkt man, daß Wissen und Weisheit im philosophischen Sinne weder nach Philon noch nach seinen griechischen Lehrern durch Enthaltung von Speise und von Frauen erworben werden, so wird man kaum fehlgehen, wenn man hier eine jener rationalistischen Formulierungen religiösen Lebens sieht, die uns aus Philon wie aus Josephus oder dem IV. Makkabäerbuch geläufig sind. Aber wir haben noch bestimmtere Anhaltspunkte. Nach § 26 haben die Therapeuten ,,unablässig Gott im Gedächtnis, sodaß sie selbst im Traum nur die Schönheit der göttliehen Tugenden und Kräfte vor Augen sehen: viele sprechen daher im Schlaf die herrlichen Lehren ihrer Philosophie träumend aus“. Diese Angabe für freie rhetorische Ausschmückung Phiions zu halten (Strathmann 154), geht nicht an; in seinen sonstigen, sehr zahlreichen Ruhmreden auf hohe Frömmigkeit fehlt dieser kennzeichnende Zug durchaus. Er muß vielmehr von Visionen der Therapeuten und von Reden aus dem Schlafzustande gehört haben, die von anderen belauscht wurden. Aber freilich: wenn er diese Erscheinungen als ungewollte Folgen gesteigerter Frömmigkeit hinstellt, so spricht hier der ,,Philosoph“, der die Vorbereitung der ekstatischen Zustände durch magische Mittel ablehnt und daher seinen Helden nicht zuschreiben will. Uns lehrt die Religionsgeschichte, daß das traumhafte Erschauen und Verkünden von Wahrheiten über die im Normalzustände dem Menschen verborgenen Geheimnisse nicht als Begleiterscheinung, sondern durchweg als ersehnter Höhepunkt religiösen Lebens gilt: auch bei Phiions jüdischen Zeitgenossen stand die Traummantik (wie übrigens die Griechen wußten)2 in hoher Ehre; und wenn für den Talmud (Ber. 57 b) der Traum ein Sechzigstel der 1 Näheres über 0eojp7]T1xo; ־and opotTixoc; ßioc; in der genannten Abhandlang der RE. 2 Strabon XVI, 2, 35; Justin XXXVI, 2 über Josef und Moses; Porph. Vita Pvtli. 11.

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