Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 7)
- Language
- German
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110 I. Heinemann gesetzt; es ist also durchaus damit zu rechnen, daß dieser — an den Yoga erinnernde — Konzentrationsritus1 auf die gleichen antiken Mystikerkreise zurückgeht, zu denen die Therapeuten gehören, und für deren Verständnis verwertet werden darf. Von hier aus bestätigt sich der Schluß, den die asketischen Riten nahelegten: die Lebenshaltung der Therapeuten diente vorwiegend oder ausschließlich zur Vorbereitung und Herbeiführung ihrer Visionen. Diese auf religionsvergleichender Betrachtung beruhenden Schlüsse stimmen mit vereinzelten Angaben Phiions genau überein. Darauf allerdings möchte ich kein großes Gewicht legen, daß Philon keine Bußveranstaltungen der Therapeuten erwähnt2 und ihre Kasteiung nirgends als Selbstzweck faßt. Denn Philon mißt fremde Frömmigkeit, zumal wenn er sie verherrlichen will, mit eigenen Maßstäben; und wie wenig er, trotz des Lobes der äaxrjatc, von einem religiösen Selbstwert der Askese weiß, zeigt seine durchaus nüchterne Begründung des Fastens am Versöhnungstag3. Auch wenn er die Therapeuten im Gegensatz zu den Essäern zu Vertretern des ,,theoretischen Lebens“ macht (§ 1), die ,,stets ans Schauen gewöhnt, nach der Schau des wahrhaft Seienden streben und hinwegschreiten über die Sonne der Sinnenwelt, entrückt von himmlischer Liebe “(§ 11), so wird man ihn nicht streng beim Wort nehmen dürfen, da er zwei von vorn־ herein feststehende, von Haus aus übrigens recht verschiedene, 1 Zum Verständnis hilft wohl Pfister, Krolls RE XIV, 373: ״Die Götter schau erfordert vollste psychische Hingabe, eine Selbsthypnose oder Autosuggestion“; vgl. dazu Bloch a. O. S. 24 unten über die יורדי מרכבה. 2 Als Mittel, um bei der Gottheit Versöhnung für Sünden zu erlangen, betrachtet Philon nicht, wie es nach Windisch, Frömmigkeit Phiions 10 ff. scheinen könnte, ausschließlich die innere Reinigung. Er empfiehlt auch das Gebet (De spec. leg. II, 196) und die ״heilige Handlung“ (mehr bedeutet hüaia ebd. II, 15 and Vita Mos. II, 147 nicht: zum Sprachgebrauch Pfister, Krolls RE XI 2167 unten, übersehen von Tscherikower היהודים 306 והיונים zum Beschluß der Stadt Sardes, den Juden einen Platz für ihre zh'/ai m l hu ׳ב, ca zu geben: Jos. Ant. XIV, 260). Er hätte also von Bussriten der Th. reden können, wenn er von solchen gehört hätte. 3 De spec. leg. II, 193 ff.; dazu Heinemann, Phiions Bildung 132 ff.