Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829999-2830001-2849879--52487-2850027- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Sektenfrömmigkeil der Therapeuten 109 Gewollte Isolierung (c) begegnet sonst in zeitgenössischen jüdischen Zeugnissen nicht. Natürlich wird man sich die genannten Visionäre meist allein vorstellen, wiewohl z. B. dem Daniel an der letzterwähnten Stelle der Engel in Gegenwart der nicht vorbereiteten und daher verständnislosen Freunde erscheint; aber als verpflichtend gilt die Zurückziehung weder hier noch in den gelegentlichen Erwähnungen einsamen Thora- Studiums; und jener Einsiedler Bannus, der sich in Baumzweige hüllt und von Rohkost nährt1, geht in seiner Kulturfeindschaft über die Therapeuten hinaus, zieht sich aber von Schülern oder Gesinnungsgenossen nicht tagelang zurück. Erst in der etwas späteren Mystik finden wir eine Parallele zu diesem Zug mit Anklängen an die Züge a und b. ,,Wer sich mit dem Engelsfürsten der Thora verbinden will, wasche seine Unter- und Über-Kleidung, nehme ein vollständiges Tauchbad, um die Scheidung durch Pollution zu vermeiden, sitze 12 Tage in einem Zimmer, gehe nicht aus noch ein, esse nur von Abend zu Abend (!)..., u. z. nur Brot und Wasser, keinerlei Kraut; er richte seine Gedanken ständig auf den Engelsfürsten der Thora . . /'2. Die Großen Hechalot, denen diese Stelle entnommen ist, stammen aus nachtalmudischer Zeit, arbeiten aber mit älterem, vom Talmud unabhängigem Gut; insbesondere in ihrer Henochmystik erweisen sie sich als Fortsetzung der Gedankenwelt der Apokryphen: und jener שר התורה wird in einer verwandten Schrift3 mit Henoch geradezu gleich- 1 Jos. Vita 11. 2 1 ,30 היכלות רבתי Eisenstein, אוצר המדרשים I, 122 a. Das Schrifttum der יורדי מרכבה (zuletzt Scholem, EJ IX, 637 ff.) stammt in seiner jetzigen Eorm aus nachtalmudischer Zeit; aber Gasters Fest- Stellung, daß es sich stark mit dem apokryplüschen Schrifttum berührt (MGWJ 1893, 180), und sein Schluß, daß es Bestandteile aus phiionischer Zeit enthält (ebd. 230), scheint mir durch die neueren Forschungen (auch über die Verbreitung der Gnosis) durchaus gestützt zu werden. Daß die Großen Hechalot besonders alt sind, gibt auch Bloch ebd. 71 zu. — Die an der erwähnten Stelle folgende Anrufung mystischer Namen erinnert ganz an die Zauberpapyri. 3 ס׳ חנוך Eisenstein I, 184 b. Es ist wohl nicht zu kühn zu vermuten, daß ein Ritus zur Beschwörung des Sehers Henoch in späterer, durch die Schriftgelehrsamkeit beeinflußter Zeit auf den Fürsten der Thora übertragen wurde.