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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 108

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
Date
1934-01-01
Page
Seite 108 (sequence 5)
Language
German
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108 T. Heinemann Sabbat untersagt1 und daß der einzige Schriftgelehrte, von dem wir wissen, daß er die Ehe ablehnte, in den Kreis der Mystiker gehört2. Ebenso gut bezeugt ist gänzliche öder teilweise Nahrungs־ entlialtung als Vorbereitung für Visionen. Wenn die Tosefta erklärt, wer bestimmte Nahrungsmittel oder Kleidungsstücke vor dem Schlafengehen wählt, um prophetische Träume zu erlangen, der treibe heidnischen Brauch3, so ist dazu vom kulturgeschichtüchen Standpunkt aus bestätigend und ergänzend zu sagen, daß solche Vorbereitung durch Kleidung, Nahrung und auch geschlechtliche Enthaltung gerade in dem uns hier angehenden heidnischen Kulturkreis außerordentlich beliebt war4. Trotzdem hat * der Talmud gegen das Fasten vor dem Traum nichts einzuwenden5. Auch der Held des IV. Buches Esra bereitet sich auf die Visionen vor, indem er eine volle Woche entweder fastet (520; 635) oder sich nur von den Pflanzen des Feldes ernährt (926; 1250)6; die mildere Form der Vorbereitung auf göttliche Offenbarung wählt Daniel 10! ff., indem er drei Wochen lang Fleisch, Wein und לחם חמדות vermeidet; alsdann verkündet ihm der Engel die Zukunft Israels. Die religionsvergleichende Prüfung dieser Züge legt also die Auffassung der Therapeuten als Visionäre besonders nahe. 1 Lauplieimer, JjlG XXII, 200. Vereinzelte Parallelen, die im rabb. Schrifttum erwähnt werden (Finkeistein, MGWJ 1932, 529 f.), beweisen nichts gegen die Annahme dieser Begründung, [ Allerdings zeigt aber das Auftreten des gleichen Verbotes bei Samaritanern und Karäern (Charles zu Jub. 508), daß auch andere Motive denkbar sind. M. Guttmann, der mich auf karäische Schriften wie כתר תורה zu Ex 63 b; שבת — אדרת אליהו § 11; גן עדן ebd. § 20 hinweist, kombiniert diese Vorschrift mit der Abneigung der Essäer gegen die Verrichtung der Notdurft am Sabbat (Jos. Ball. II 147) und glaubt, man habe nur die Entheiligung des Sabbat vermeiden wollen. Korr.-Zusatz.] 2 Über Ben Assai zuletzt Bornstein E J IV, 48 f. 3 Toss. Sabb. VI, 7, übers, und erläutert bei Kristianpoller, Moiiumenta Talmudica IV, 2 (1922), 6. 4 Pfister, Krolls BE XIV, 360 ff. mit Lit.-Ang. , 5 Belege bei Kristianpoller 8. 6 Nach Jub 443 bleibt Jakob 7 Tage in Bet El, um dort ein Traumgesicht zu haben. Ob es sich hier um bewußte Vorbereitungen handelt, ist nicht leicht zu entscheiden.

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