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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 107

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
Date
1934-01-01
Page
Seite 107 (sequence 4)
Language
German
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Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten 107 c) In jedem Hause ist eine heilige Zelle, Semneion oder Monasterion genannt; in ihr begehen sie in Einsamkeit die Mysterien eines geweihten Lebens; sie bringen keine Nahrungsmittel hinein, noch was sonst dem körperlichen Bedarf dient, sondern nur die biblischen Schriften und was überdies zur Erhöhung der Frömmigkeit und der Wissenschaft verhelfen kann: § 25. Zur Erklärung der asketischen Züge a und b bieten sich mehrere Möglichkeiten. Die Therapeuten mögen 1. von der — an vereinzelten Stellen wie Lev. R. 14, 5 und Test. Rub. 2 g. E. aufdämmernden — Anschauung ausgegangen sein, daß jeder Geschlechtsverkehr, wenn nicht geradezu sündig, so doch anstößig sei; sie mochten also die landläufige Frömmigkeit überbieten wollen (vgl. die ,,evangelischen Räte“ der Kirche). Das Fasten wäre freilich von hier aus nur gezwungen zu erklären. Sie können 2. die Askese gleichsam als Verstärkung ihres Gebetes gemeint haben; man denke nur an die Fasttage bei Regenmangel; geschlechtliche Enthaltung ist allerdings für diese nur als besondere Verschärfung1, ferner für Versöhnungstag und 9. Ab, also nur eintägig, vorgeschrieben. Endlich können 3. die asketischen Vor- Schriften als Vorbereitungen für den Empfang von Visionen gedient haben. Schon auf die Offenbarung am Sinai bereitet sich das Volk durch sexuelle Abstinenz vor Ex 195; Moses fastet 40 Tage vor der Entgegennahme der Tafeln 3428. Und wenn die Rabbinen in der ersteren Vorschrift nur ein Reinheitsgesetz sehen wollten, so findet sich doch im Midrasch und auch bei Philon2 die Vorstellung, daß sich Moses während jener 40 läge auch des Frauen Verkehrs enthalten hat; nach Test. Naft. 8 stört der Beischlaf die Erhörung des Gebetes; der Held des Henochbuches hat nach 832 nur Visionen, bis er eine Frau nahm3; die keuschlebenden Essäer waren Visionäie4; es wird kaum Zufall sein, daß das Buch der Jubiläen den Geschlechtsverkehr am 1 Mi. Taan. II, 4 ff. 2 Stein, Pliilon und der Midrasch (1931) 45. 3 Umgekehrt hat sich nach Abraham bar Chijja, hegjon hannefesch 37 a, Moses seit der Offenbarung von seiner Frau ferngehalten. 4 Bauer, Krolls RE Sppl. IV, 424; Jos. Bell. II, 159.

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