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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 106

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
Date
1934-01-01
Page
Seite 106 (sequence 3)
Language
German
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106 I. Heine mann tage, dem ,,Feiertag“ xar* ^oyrjv, sofort die Zählung der neuen Jobelfrist. Eine solche Deutung nach vorgefaßter Meinung, entgegen Zusammenhang und Tradition, entspricht methodisch den! Verfahren der Damaskussekte, die das Verbot, zu einer Frau ihre ״Schwester“.hinzuzunehmen (Lev 1S18), auf jede andere Frau bezog1, es also als Verbot der Polygamie faßte, unbeirrt durch die vorausgehenden Verbote.der Verwandtenehen und die Beispiele polygamer Ehen aus nachmosaischer Zeit. Die einzelnen Züge der Feier lassen sich unschwer aus dem antiken Judentum belegen2 — bis auf die nächtliche Begehung. Wachnächte vor dem Versöhnungstag, wie sie vereinzelt bezeugt sind3, und die Erzählung von dem Gelehrtengespräch in der Pessachnacht, das sich bis zum Morgen hinzog, können nur als Vorstufen gelten. Um so seltsamer, daß im Sohar die Sitte bereits erwähnt wird, die Nacht vor dem Wochenfeste beim Thorastudium zu durchwachen4. Ein mittelbarer geschichtlicher Zusammenhang, wie man ihn zwischen Philon und einzelnen Allegoreten des 14. Jahrhunderts hat nachweisen wollen5, besteht hier sicher•^ lieh nicht; wie sich das Zusammentreffen erklärt, muß zunächst dahingestellt bleiben. 2. Unter den Lebensgewohnheiten der Therapeuten erscheinen die folgenden besonders kennzeichnend: a) Sie genießen auch am Feiertag weder Wein noch Fleisch; am Werktag fasten sie bis Sonnenuntergang; manche fasten die halbe, einzelne sogar die ganze Woche (§ 34 ff.). b) Die weiblichen Mitglieder sind ,,großenteils jungfräuliche Greisinnen“ (§ 68); daraus folgt mindestens starke Schätzung der Keuschheit6. 1 Ginzberg, Eine unbekannte Sekte 24. 2 Mit Ausnahme des gemischten Chors. Es läßt sich erweisen, daß diese Angabe wenig zuverlässig ist. 3 Bergmann MGWJ 1927, 167. 4 III, 98 a: die alten Frommen schliefen nicht in dieser Nacht, sondern bemühten sich um die Thora und sagten: laßt uns das heilige Erbe in Besitz nehmen für uns und unsere Kinder. 5 David Kaufmann in: Jubelschrift zum 90. Geburtstage des Dr. L. Zunz, 145. 6 Ob die Forderung der Keuschheit verbindlich war (Strathmann 155) oder nicht (Wendland 738), ist bei Phiions Ungenauigkeit nicht zu entscheiden.

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