Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Sektenfrömmigkeit der Therapeuten 105 1. Die Therapeuten feiern den Sabbat, außerdem alle sieben Wochen1 ihr ,,Hauptfest" durch eine Nachtfeier bis zum frühen Morgen, bestehend aus gemeinsamem Mahl, Schrifterklärung, Chorgesang. Beim gemeinsamen Mahl wird eine ,,hochheilige Speise" genossen, bestehend aus gesäuertem Brot und Salz, dem Ysop beigemischt war (§ 81). Phiions Begründung, mag er sie übernommen oder erdacht haben, beweist, daß das Brot gesäuert sein mußte. Die siebenwöchentliche Frist und das gesäuerte Brot2 (— Lev 2317) kennzeichnen das Fest als Wochenfest, aber als periodisch wiederkehrendes, \yie das Buch der Jubiläen bekanntlich vier Mal im Jahre Neujahr feiern läßt3. Die Abweichung hält sich also im Rahmen jüdischer Sektenfrömmigkeit. Sie mag z. T. durch die Wertschätzung der Zahl 50 angeregt sein (vgl. Lev 2315; 258), die vielleicht auch die seltsame Zählung des Jubiläenbuches nach Jahrwochen und Jubiläen wenn nicht verursacht hat4, so doch legitimieren half; vor allem aber scheint es, daß die Therapeuten die Parallele zwischen regelmäßig wiederkehrenden Ruhe־■ tagen und Ruhejahren durchführten, die die Bibel selbst durch die Bezeichnung des Schemittajahres als שבת Lev 252 nahelegt, daß sie also dem Sabbattag den Jobeltag überordneten und beide, ebenso wie Sabbatjahr und Jobeljahr, in unablässiger Wiederholung feierten, als Grundlage für die Einteilung der Zeit. Die vielumstrittene Vorschrift Lev 2315, vom Tage nach dem ,,Sabbat" an die Wochen zu zählen, faßten sie also nach Analogie der Jahreszählung: wie nach dem Jobeijahre, so beginnt nach dem Jobei- 1 Etwas anderes kann, gegen Conybeare, 01 kuxa § 65 nicht bedeuten. Daß Philon eine Quelle mißverstanden habe, die ouf c. gen. im Sinne von ,,nach“ auffaßte, also nur von einem einmaligen Wochenfest redete, ist zwar nicht ganz auszuschließen, aber höchst unwahrscheinlich. Am Gesamtergebnis würde diese Annahme nicht viel ändern. 2 Daß man die nur für den Tempel bestimmten Brote zu Hause genoß, ist keine arge Ketzerei. Es ist weniger kühn, als das Schlachten der Pesachlämmer in Rom. Übrigens ist zweifelhaft, ob das Buch der Jubiläen diesen Broten Opfercharakter zuerkennt; vgl. Albeck, Das Buch der Jubiläen und die Halacha 20. 3 Albeck 19 f. 4 Über die Schätzung der Zahl 50 zumal im Orient vgl. Roscher, Abh. Sachs. Ak. Phil.-hist. Kl. 1917, 94 ff.