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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 94

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 1
Article
Die "Landschaft" im biblischen Hohenliede
Date
1934-01-01
Page
Seite 94 (sequence 14)
Language
German
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94 Samuel Krauß ,,die Hochzeit im Freien“, wie ich sie hier annehme, zu begründen. In losen Hochzeitsliedern, wie es nun einmal die unsrigen im HL sind, — ist eine strenge Logik oder ein Fortschreiten der Handlung nicht zu erwarten. Erst heißt es in ihnen (116): unser Brautbett ist das frische Grün; dann; eine andere Situation, das Brautpaar befände sich im Röhricht, im Apfelhain — die unsichere Sprache einer Ohnmächtigen —und der ganze Vers (25) wäre zu übersetzen: ,,Stützet mich1 (daß ich nicht umfalle) in diesem Röhricht da, bettet mich nieder in diesem Apfelhain da, denn krank vor Liebe bin ich“. Das Stützen und Betten wird wohl wirklich geschehen sein, d. h. man hat der Braut ein kleines Respirium gewährt; zu sich gekommen, ■wird sie in das eigentliche, richtige Brautgemach gebracht, und das besagt Vers 4, was dann freilich wieder eine andere Situation wäre, oder auch so, daß das wieder nur ein imaginäres Brautgemach ist. In Vers 4 nämlich ist בית היין, wörtlich ,,Weinhaus“, wie schon andre gesehen haben, nichts andres als בית המשתה ,,Trankhaus“, was im Hebräischen der eigentliche Ausdruck ist für Hochzeitshaus oder Brautgemach; der Name kommt daher, daß das Gefolge darin schmaust, während sich das Brautpaar zurückzieht. Schwierig ist die zweite Vershälfte. Hier möchte ich ein Wort ergänzen, wie es in der hebräischen Poesie gang und gäbe ist2: ודגלו עלי [דגלז אהבה ,,sein Panier über mich ist das Panier der Liebe“. Was ist ,,Panier“ an dieser Stelle? Das Wort דגל stammt anerkanntermaßen von dagal, arab. dagal decken und ist benannt nach dem Zeug (lateinisch pannus), das an einem Schafte befestigt ist. Ein solches Zeug wird wohl gemeint sein in Jes 578,,hinter Tür und Pfosten brachtest du (die Hure) an dein Erinnern“ (s. dazu E h r 1 i c h , Randglossen). Aus Ruth 39 und Ez 168 kann gefolgert werden, daß in alter Zeit die Sitte bestand, daß der Mann dem von ihm in die Ehe genommenen Weibe ein Tuch über Kopf und Leib warf, um des Weibes Blöße zu bedecken. Dasselbe Tuch dürfte nun an unserer Stelle mit 1 Siehe oben S. 86 Anm. 4. 2 Vgl. in unserem Buche selbst 86: ,,ihre Gluten — Feuergluten“, wo dasselbe Nomen wiederholt ist. Das weiter auszuführen, gehört nicht hierher.

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