Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die "Landschaft" im biblischen Hohenliede
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 12)
- Language
- German
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92 Samuel Ivrauß Noch in einer anderen Richtung gilt es zu berichtigen. Der Vers Gen 4623 ,,Und die Kinder Dans: Husim“ wird (b. Baba B. 143b) gedeutet: ,,Sie waren zahlreich כחלשים wie die Stengel (?) des Schilfs“. Die Deutung wurde nötig, weil auf die Mehrzahl ״Kinder“ nur ein Sohn folgt : Husim; angesichts dieses Namens aber fühlte sich der palästinische Aggadist (Hizqia) sofort an das im Lande gangbare Wort חדשים erinnert, welches, wie wir bereits wissen, oft mit קנים verbunden wird, und somit erhält der Aggadist aus dem Namen des einen Sohnes, daß die Daniten zahlreich waren wie das Schilf — für uns eine neue Belehrung über das Vorkommen des Schilfes. Mit Recht setzt RSbM zu Baba B. ib. für unser Wort altfranzösisch troncs; dasselbe altfr. Wort setzt er zu חיצת קנים Mischna Baba B. 68b und erklärt: Viele Schilfe wachsen an e i n e m Stengel. Der Vergleich mit dem Schilf, das sehr stark wuchert, kommt in den rabbinischen Texten noch in anderen Punkten vor (z. B. zu Exod 17). Neuerdings hat ein Forscher1 all dies mit einem Schlage ändern wollen, indem er נחשים statt כחושים liest: ״Zahlreich wie die Schlangen“; die Beifügung ״wie Schilf“ soll eine Glosse sein. Diesen Vorschlag können wir nicht annehmen, vielmehr besagen uns auch diese Stellen, daß es in Palästina zahlreiches Schilf gab. Dies war aber ein hochgewachsenes Schilf. Darauf deutet schon der Ausdruck הנכנס לאגם ,,wer in das Schilf hineingeht“ (b. Berakoth 57a) usw., gleichwertig mit dem, was im nächsten Satze steht: ״wer in den Wal d hirieingeht“ usw. (ebd.) Nun erst kommen wir zu unserem Thema zurück. Das Schilf, das dem Wild und dem verfolgten Menschen zum Versteck dient, kann füglich auch einem verliebten Menschenpaar zum Versteck dienen. So haben wir im Talmud (b. Sanhedrin 82b) eine durch das Wort 2שוולנאי charakterisierte Redensart, die (nach 'Arukh VIII, 40) besagt, daß es einst ein Weib namens Swalnai gab, das im Schilf 1 J. Herschberg (Albany, Kew York) in der liebr. Zeitschr. ‘09ar ha־Hajjim VIII (5932), 106 ff. 2 Tie Etymologie des Wortes ist dunkel; s. K o h u t zu ‘Arukh a. O. Unter den Worten des Gaon, die dort angeführt werden, kommt auch die sprichwörtliche Kedensart vor: ״Zwischen Schilf und Binsen — was sucht sie, die große Hure“. Vgl. noch A. S. Herschber g in der hebr. Zeitsehr. he-'Athid IV, 17.