Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die "Landschaft" im biblischen Hohenliede
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Landschaft im biblischen Hohenliede 91 kehrenden Hyperbel für eine unzählbare oder unmeßbare Menge1. Im Anhang zu Megillat Ta'anit lautet die Lesart des Ms. Parma: אם היו כל הימים דיו וכל הנחלים קנים וכר, was nur bedeuten kann: ,,Wenn alle Meere Tinte wären und alle Palmen Schreibrohre". Das ist nicht nur wegen des geraden Wuchses der Palme ein treffendes Bild, sondern paßt auch in seiner Grandiosität zu den parallelen Bildern vom Himmel und vom Meere. Für נחלים . . . wurde von Glossatoren . . . אילנות (Bäume) bzw. יערות (Wälder) gesetzt. Als letzter Ausläufer der La יערות ist dann כל חורשת א in dem aramäischen Piut אקדמות מלין zu nennen2. Andere Glossatoren nun, welche die hier vorliegende Bedeutung von נחלים nicht mehr kannten und es als Ströme auffaßten, suchten das wenig passende Bild dadurch verständlicher zu machen, daß sie dafür אגמים (im Sinne von ״schilfreiche Sümpfe") setzten, woraus dann folgerichtiger קנים ,,Schilfrohre" wurden״. Soweit Perles. Das läuft nun darauf hinaus, daß alle Texte, die אגמים haben, sekundär sind gegenüber dem einzigen, der נחלים hat. Das ist nun nicht richtig. Jenes Ms. Parma hat nur aus Purismus statt dem hier gangbaren Worte אגמים das mehr eindeutige נחלים gesetzt; darin nun, in den Bächen, wächst Schilf, und dieses קגים ist metonymisch gleich Schilfrohr Schreibrohr, wie noch heute קנים im Neuhebräischen in diesem Sinne gebraucht wird3. 1 Vgl. Reinhold־ Köhler, ״Und wenn der Himmel war’ Papier“ in Benfeys Orient und Occident II, 546—599 (auch in Leben J. ib. angeführt; Perles verweist auf meine Ausführungen nicht). 2 Das ist ein synagogales Gedicht, welches zur Thoralektion des 1. Pfingstfestes rezitiert zu werden pflegt. Dieses Gedicht baut aber seine Redeweise nicht auf einer falschen Glosse auf, wie P e r 1 e s will, sondern auf Vorlagen, in denen das fragliche Wort zurecht dastand. 3 So auch in dem vorhin genannten Gedichte קבי חורשתא. Sonst hat man allerdings קולמוס calamus dafür. Zu קנה Lineal s. Talm. Arch. III, 164. Zur Charakterisierung Roms gehört auch, daß es (seine Edikte) mit dem Rohr schreibe (כותב בקבה Aggadat Beresit c. 59 S. 118 ed. Buber; Parallelstellen s. in meinem Griechen und Römer in Monumenta Talmudica V, 19). Rom ist überhaupt so entstanden, daß in den Schlamm ein Schilfrohr gesteckt wurde, das dann zu einem großen Walde (חורש) wurde (Texte s. in Monum. Talm. V, 9f.); da sieht man wieder, daß ein großer Schilfstand einfach ,,Wald“ heißt.