Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die "Landschaft" im biblischen Hohenliede
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Landschaft im biblischen Hohenliede 89 An einer Stelle in Tosefta (Kilaim III, 15 p. 78) wird ausdrücklich gesagt, daß Schilf (קנים) zur Klasse der Bäume zu zählen sei und nicht etwa zu Grünzeug oder Gras; in diesem Punkte gerät Schilf in eine Reihe mit drei dort namentlich genannten Dorn- oder Gebüscharten (s. dazu Löw, Die Flora der Juden I, 669). Die Ausdrücke der palästinischen Landwirtschaft, die wir hauptsächlich aus Mischna und Tosefta kennen, erhielten sich im Lande so zäh, daß mehreres aus der Zeit dieser Schriften ohne weiteres auch für das Althebräische angenommen werden kann, weshalb wir denn das hier gefundene Wort und die Sache selbst mit allen ihren Eigenschaften auch für eine Stelle im HL verwenden können. Was speziell das Schilf anlangt, so muß dieses wahrscheinlich nicht selten Baumhohe erreicht haben. Einmal heißt es im Midrasch zu unserem Buche 1! (ed. Warschau 1887 folio 20b): ,,Vergleichbar einem Walde (1 * *(חורשא von Schilf, in den kein Mensch eindringen konnte“ usw., bis er gerodet (כסח) wurde usw. Nach einer anderen Stelle (Gen Rabba 12!) gibt es einen Schilfwald (חרישת קנים) so groß, daß man darin irre geht. In einem solchen ,,Walde“ konnten sich nicht nur Tiere verborgen aufhalten, sondern auch Menschen, und insbesondere konnte er politischen Flüchtlingen als Versteck dienen. Unter anderem verbirgt sich einmal Rabba bar Nahmani ,,unter Rohr“ (ביני קני b. Baba M. 86a), eine Sache, die allerdings in Babylonien spielt. Der Name ,,Schilf“ oder",,Wald“ wechselt hie und da ab mit אגם ,,Sumpf“ oder ,,Teich“, wie wir schon gesehen haben; das darf uns aber nicht abhalten, in all dem desselbe Gebilde zu sehen. So heißt es einmal (b. Ta'anith 22a), daß ein Feld, welches dem ,,Sumpf“ nahe, der Versteck von Wild (חית) sein kann. Natürlich halten sich daiin auch Frösche auf (vgl. Exod 8X), doch ist mehr 1 Aramäisch חורשא ist dasselbe was bh. חרש* (s. Wbr.). Für יער wird im Targum ח׳ gesetzt. Wenn nun חרישת קנים ,,Rohrgebüsch“ vor kommt, so liegt es nahe, darin dasselbe Wort zu sehen; doch macht Benjamin Mussafia (im ‘Arukh III, 506) darauf aufmerksam, daß der Verf. des 4Arukh die La רחישת ק׳ hatte. Die Beschaffenheit der Texte bringt es mit sich, daß man hier zu keiner Sicherheit *gelangen kann. Kohut zum 4 Arukh a. O. führt bh. und aram. 'n auf arab hrgt zurück, und dieses bedeutet sowohl Rohrgebüsch als Wald, und das Primäre scheint eben Rohrgebüsch zu sein. Auf alle Fälle aber ist erwiesen, daß den Alten Rohrgebüsch und Wald zusammenfielen.