Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die "Landschaft" im biblischen Hohenliede
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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88 Samuel Krauß ob das selbstverständlich wäre, mit ,,Feld von Apfelbäumen" gleichgesetzt1. Die Liebenden befinden sich eben in einem Apfelhain, und nichts als ihren Standort will damit der Dichter angeben; ebenso gibt er an einer anderen Stelle (813) den Standort der Braut an mit den sehr deutlichen Worten: ,,die da sitzet in Gärten"; man achte auf das Wort בגנים, mit dessen Form unser בתפוחים völlig übereinstimmt. Das inmitten derselben Gedankenreihe stehende Wort באשישות muß etwas Ähnliches bedeuten. Bei ,,Traubenkuchen" geht das freilich nicht. Ich lese dafür, mit einer kleinen Änderung, בחישתות ,,im Röhricht". . Dieses nun erfordert eine nähere Aussprache, und zwar nach dreifacher Richtung; es soll erst das Vorkommen des angenommenen Wortes im Hebräischen, und da nicht anders möglich, im Hebräischen der Mischna, nachgewiesen werden; sodann daß solche Felder zum Landschaftsbild Palästinas gehören; endlich, daß so ein Wald von Schilf tatsächlich den Ort abgab, wo Liebespaare zusammentrafen. Das alte Schrifttum reicht für solche weitgehende Nachweise nicht aus; wir müssen die ungleich reichere rabbinische Literatur zu Hilfe nehmen. Im Neuhebräischen hat man neben קנים קנה arundo noch das Wort אישת oder חישת, welches auch mit jenem verbunden vorkommt, also אישית ק׳ oder חי־שת ק׳ (s. 'Arukh s. v. חש ed. Kohut III, 510); nach der Variante mit alef könnte man schließlich in HL noch mit geringerer Änderung באישתות lesen. Die Pluralbildung von אשח bzw. חשת erfolgt ad normam קסת .דלת ,שקת usw. In Talm. Arch. II, 200 schrieb ich: ,,Man spricht von Rohrgebüschen ... in derselben Weise, wie von Holzgebüschen oder dem Gehölze; Schilf und Dornstrauch . . ., Binsenland (אגם) . . . und Wald (יער) gehen zusammen". . Wir erfahren daraus, daß in dem waldarmen Palästina so ein Schilffeld bereits als Wald galt. Vgl. übrigens שמיר ושית ,,Dorn und Gestrüpp" Jes ^23 ff. als charakteristische Landschaft, in die man nur mit Bogen und Pfeil eindringen kann. 1 Zu Gen 2727 ״Sieh, der Duft meines Sohnes —- wie der Duft des Feldes“ wird in b. Ta‘anit 29 b bemerkt: ״ כריח שדה של תפוחיםwie der Duft eines Feldes von Äpfeln“, indem jener Vers mit dem Verse HL 25 kombiniert wird. Die Tosafisten daselbst haben schon keinen rechten Sinn für diese ״landschaftliche“ Bemerkung und sprechen von dem Ethrog-Duft.