Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die "Landschaft" im biblischen Hohenliede
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 Samuel Krauß Doch vorerst den Vers 25. Ich mag nicht wiederholen, was alles in diesen dunklen Vers hineininterpretiert wurde. Man ist sogar bis zum Wirtshauszeichen gekommen! Einen Sinn hat man damit nicht gewonnen. Siegfried schreibt: ,,Hier ist das Panier das lockende Liebeswerben des Bräutigams, dem die Braut ifts Hochzeitsgemach gefolgt ist“. Worte, sogar schöne Worte, sonst aber nichts! Nur das eine ist sicher, daß die Braut ins Hochzeitsgemach gebracht wird, das ist: dorthin, was in diesem Falle das Hochzeitsgemach darstellt, richtiger es ersetzt1; die Situation in Vers 6 (vgl. auch 8S) sagt das genug deutlich. Ich stelle Vers 5 vor Vers 4 und erhalte damit einen logischen Zusammenhang. Vor dem entscheidenden Akte,, dem Höhepunkt ihres Lebens, fühlt sich die Braut einer Ohnmacht nahe; sie schreit zur Umgebung: ,,Labet mich“ usw. Diese Umgebung ist wohl auf dem freien Felde nicht vorhanden; aber in der Regel ist sie da; man vergesse nicht, daß die Braut bis in die Brautkammer hinein vom Gefolge begleitet wird; die Situation aber ist imaginär, sowie vorhin im Punkte ,,Weinhaus“2. Wem das als Phantasieren vorkommt, ohne jede Realistik, kann mit Hinweis auf jene Beduinensitte gedient werden; die Verwandten und Freundinnen der Braut kennen ihr Versteck und versorgen sie mit Lebensmitteln; sie können demnach in diskreter Weise auch noch das ,,Brautgemach“ belauschen. Die Braut fühlt sich auf's äußerste angespannt und schreit um Labung. So heißt es auch in 56, wo es sich allerdings um ein Traumgesicht handeln soll, ,,meine Seele entwich mir, als er sprach“, und einen gleichen Sinn kann man in 612 finden3. Nach ,,labet mich“ und ,,bettet mich“ — so ist רפדוני aufzufassen —4 folgt je eine nähere An- 1 Da wir doch angenommen haben, daß sich das Brautpaar im Freien befindet; ,,Brautgemach“ gehört also in eine B-eihe mit König, Salomo, Jerusalem etc., von dem allen wir annehmen, daß sie nur imaginär sind. 2 Ein anderes wäre, wenn man hieif eine andere Situation annähme, d. 11. daß es das Fragment eines andern Hochzeitsliedes ist. 3 Meine Auffassung dieses Verses ist mitgeteilt in Actes du XVIIIe Congres International des Orientalistes, Leiden 1932, S. 184. 4 Man faßt gewöhnlich רפד als synonym mit סמך auf.־ Aber Siegfried z. B. sieht sehr richtig, daß רפד nur ,,betten“ heißen kann; vgl. Job 1713; 4122. Und so ist auch סמך im eigentlichen Sinne aufzufassen: ,,stützen“. Unter den Auslegern tut das, wie ich sehe, nur Ka minka: