Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die "Landschaft" im biblischen Hohenliede
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Landschaft iin biblischen Hohenliede 85 Worte der Liebenden verlangen. Vorerst begehrt sie in seinem Schatten zu sitzen, vorerst lechzt sie nach seiner süßen Frucht (das sind wohl die Küsse seines Mundes, vgl. 12; 8X; die Küsse der Braut 4u; dies und nicht weiter). Die entscheidende Liebesszene folgt erst in Vers 5 (s. weiter unten). Der Apfelbaum muß ein hervorstechendes Kennzeichen dieser Landschaft gewesen sein, denn auch in 85 wird seiner gedacht, und zwar im Tone der Erzählung, so daß nicht zu verkennen ist, daß etwas Tatsächliches gemeint sei. Dieser Apfelbäum stand, wie dort aus Vers 2 hervorgeht, nahe dem elterlichen Hause der Sulamit, was sich ja von selbst versteht. ' Dieser b e - stimmte Apfelbaum (1(התפוח spielt eine Rolle im Leben der Liebenden: ,,Unter dem Apfelbaum hatte ich dich erregt (d. i. deine Liebe geweckt; so spricht der Jüngling zum Mädchen; bekanntlich muß man hier durchgreifend ändern und weibliche Suffixformen annehmen; zum weiteren Sinn s. Gr. Ven., ferner LXX, andere Alten, und s. ed. Kittel); dort hatte mit dir gekreiset deine Mutter, dort gekreiset, die dich gebar". Also war der Apfelbaum auch schon für die Mutter von hoher Bedeutung gewesen. Die Möglichkeit dieser beiden Aussagen ist nicht zu leugnen, und die Kommentatoren bringen genug Analogien bei2; sollte nun das für die Stelle 24—5 nicht maßgebend sein? 1 Die Angabe, ,,Sulamit“ sei unter einem Baume geboren, klingt gar nicht unwahrscheinlich. H. P 1 o s s und M. Bartels (Das Weib in der Natur u. Völkerkunde 9. Auf!., Lpz. 1908, II, 33) haben ein Kapitel ,,Das Alleingebären im Freien“, ferner (37) ,,Die Geburtsüberraschung im Freien“. Ib. 35 ein Gedicht von Longfellow: ״Unter Farren, unter Moosen / Unter Lilien auf der Wiese / In dem Schein des Mondes, der Sterne: / Da gebar Nakomis freudig / Eine wunderholde Tochter“. Vgl. ferner (ib. 3S) was A v r i e u x von den Arabern und andere von den Basken berichten. Die wörtliche Auffassung vertritt auch Jacob zu 85 und verweist auf Koran 1923. Mit Hinweis auf HL S5 behauptet auch die Aggada, die isr. Frauen in Ägypten hätten ihre zahlreichen Kinder auf dem Felde ׳unter dem Apfelbaum geboren (b. Sota 11b, Exod. Rabba 116, JalqutEz. c. 354). 2 Nur P. Haupt bildet eine Ausnahme; er gibt nämlich der Stelle einen ganz andern Sinn. Sodann sagt er (S. 80): Ein hervorragender neuerer Ausleger (1898) meint, daß unter dem Apfelbaum das Lieblingsplätzchen der jungen Frau gewesen sei, weil sie dort geboren wurde usw. Ohne zu wissen, wer dieser ,,hervorragende Ausleger“ ist, bekenne ich mich ganz zu seiner Ansicht.