Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die "Landschaft" im biblischen Hohenliede
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
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84 Samuel Krauß HL in diesem Sinne auf. Auf diese, wenn man will, ,,freie'1 Sitte, müssen wir noch später zurückkommen. Das Liebliche des Bildes wird fortgesetzt durch ,,Ich bin die Lilie Sarons" usw., womit sich die Braut in ihrer Ländlichkeit empfiehlt; auch diese Sprache paßt in das ländliche Milieu. Ein neuerer Kommentator1 will demgegenüber es anmaßend finden, wenn sich die Braut selbst lobt; die zarte Poesie verkennend, will er in 116—17 gerade ein königliches Prachtgebäude sehen, womit der reiche Bewerber lockt; darauf das Mädchen: (Ich ziehe es vor) die Lilie Sarons, die Rose der Täler (zu besitzen oder unter denselben zu weilen). Auch nach dieser Auffassung wäre die Landlichkeit wenigstens nach der einen Seite, nach der Seite des Mädchens gesichert. Aber der Text besagt nun einmal klipp und klar, daß das Mädchen spricht: ,,Ich bin die Lilie Sarons" usw., und dagegen ist nichts einzuwenden. In wunderbarer Grazie vergleicht sich die Braut mit den köstlichen Gaben der Natur, der Natur, die ihr ganzes Sinnen und Trachten in ihrem Banne hält. Noch weiter unterstreicht der Liebhaber die Seligkeit dieses Idylls: ,,Wie eine Rose unter den Dornen — also ist meine Freundin unter den Töchtern" . . . ein nahe liegender Vergleich, da sie doch, auf dem Felde! wirklich unter Dornen liegen. Wo sie liegen, das mag wirklich der Weingarten sein, entweder der des Jünglings oder der des Mädchens, und da gibt es in der Nähe auch Bäume, oder gar einen Wald, darunter oder darin auch einen Apfelbaum, und darum der nun folgende weitere Gedanke: ,,Wie ein Apfelbaum unter den Waldbäumen — so mein Geliebter unter den Jungens". Den Apfelbaum bzw. seine Frucht symb o 1 i s c h heranzuziehen, als Zeichen der Liebe, liegt gar keine Nötigung vor. Siegfried z. B. schreibt in seinem Kommentar: ,,Apfelbaum" wegen seiner süßen Frucht, ... aber indem sie sagt: ,,in seinem Schatten zu sitzen hat's mich gelüstet" usw« meint sie doch den Baum selbst und seinen Schatten! Wenn Delitzsch sagt: ,,Der Schatten ist ein Bild des gewährten Schutzes und die Frucht ein Bild des gewährten Genusses" — so steckt in dieser Symbolik weit• mehr Realistik, als es die naiven 1 A. Kaminka in seinem hebr. Komm. (Tel Aviv 5090) in der von A. K a h a n a herausgegebenen Serie.