Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Tierschätzung im Bibelwörterbuch
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829999-2830001-2849875--52423-2849970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
52 Bernhard Heller allgemeiner edle Worte für die Welt Ahuia Mazdähs, niedrige, verächtliche für die Welt Ahrimans. Doch die Differenzierung im Awesta für Tier und Mensch erkennt auch er an, indem er zugibt, daß häufig die unedlen Ausdrücke vom Tiere auf die Daeva-Wesen übertragen werden, — so ergeben sich unedlere Synonyma für Kopf, Schädel (S. 6, 7, S. 13), Mund (8, 9), Auge, Ohr (13, 21, 22), Hand (22), Hals, Nacken (23), After (24), Geruch (25), Bauch (26), Sohn (22), sterben (7), dahinschreiten (7), essen (9), gebären (22). Die Beobachtung also, von welcher Frachtenberg ausgeht, daß nämlich Awesta-Persisch auf weitem Gebiet eine Scheidung zwischen Ausdrücken für Tier und Mensch vornahm, ist durch Günterts Forschung bestätigt, ja nicht nur auf Altpersisch beschränkt, sondern zuweilen auf Altindisches ausgedehnt. Wenn nun aber die unterschiedliche Bezeichnung für Tierisches und Menschliches bereits im alten Morgenland und eben im tierfreundlichen Indien und Iran nachgewiesen wird, wohingegen sie der Bibel sowie dem alten Hellas abgeht, ist damit bereits ein Werturteil erbracht? Prof. Heinemann findet ,,die psychologische Voraussetzung, daß die Differenzierung der Ausdrücke eine Abwertung, die Einheitlichkeit der Ausdrücke eine Vermenschlichung und Hochschätzung beweise, sehr anfechtbar'f. Die reichere Differenzierung (Mund: Maul, Schnabel, Schnauze, Rüssel, Rachen, Schlund; Hand: Pfote, Klaue, Tatze, Pranke, Kralle usw.) mag auch einer liebevolleren und deshalb genaueren Beobachtung entstammen. Wenn das Liebevolle schon nicht bei der Jägersprache anzunehmen ist, so doch gewiß bei der Hirtenspräche. Diese Bedenken müssen jedem einleuchten, ja jedem kommen, der diesen Fragen nähertritt. Schärfer gefaßt: Mangel an Unterscheidung kann auch der Gleichgültigkeit fürs Tier, genaue Unterscheidung dem Mitleben mit dem Tiere entspringen. Bedeutet nun die sprachliche Gleichheit in der Bibel Gleichgültigkeit oder Schätzung? Obzwar wir in unserer Untersuchung bestrebt waren, möglichst nur die sprachlichen Tatsachen sprechen zu lassen, läuft es an diesem Punkt nun einmal ohne Hypothese nicht ab. Wir können in teilweiser Übereinstimmung mit Wohlgemuth (S. 88, 89) drei Ab- Stufungen im Verhalten des Menschen zum Tiere annehmen :