Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Tierschätzung im Bibelwörterbuch
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 10)
- Language
- German
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50 Bernhard Heller liehen dasselbe wie der Mensch" ein anstößiges Paradoxon ist (Parerga XV, § 177). Ziegler stellt glücklich den Satz יודע צדיק נפש בהמתו Prov. 12, 10 mit Ex. 22, 20 ואתם ידעתם את נפש הגר zusammen: Der Gerechte weiß, wie es seinem Tiere zumute ist, — ihr wisset, wie es dem Fremdling zumute ist. Vom Tiere also auch heißt es hier נפש wie auch sonst 1רוח, נפש, כשמה. Allgemein bezeichnet also die Bibel bei Tier und Mensch Gemeinsames mit demselben Ausdruck. Doch Prof. Heinemann wirft (brieflich) die Frage auf: ,,Liegt in der Gleichheit der Bezeichnungen für Mensch und Tier eine Eigentümlichkeit des Hebräischen? Ist nicht vielmehr die Unterscheidung der Bezeichnungen für die deutsche Sprache der Zeit nach Luther kennzeichnend?" Schon in seinen feinen Ausführungen ,,Über Tierschutz nach jüdischer und griechischer Anschauung" (Jeschurun 1915, 137 bis 140) suchte Heinemann diese Frage zu beantworten: ,,Seit der Zeit des Humanismus zeigt sich die Verachtung des Tieres . . . in dem Bedeutungswandel mancher Worte" (S. 140), (Fell, Maul, Futter, Fressen). Heinemann hat Recht, daß Neuhochdeutsch in der Differenzierung weiter geht als z. B. Französisch oder vollends Englisch (dem Englischen stellt schon Schopenhauer ein lobendes Zeugnis aus). Doch ist diese herabsetzende Unterscheidung auch dem Französischen nicht fremd (crever, mettre bas) und ein moderner Erzähler schildert einen Franzosen, der das Zeitwort mourir von einem anderen, als einem gutgläubigen Christen nicht über seine Lippen brachte. — Eine eingehende Vergleichung der semitischen Synonyma bleibt von I. Löw zu erhoffen. Besonders begierig dürfte man sein, wie sich die Sprache des Buddhismus (den Schopenhauer hoch über die Bibel stellt) zu diesen Erscheinungen verhält. Nun, das Pali, die Sprache des buddhistischen Kanons scheint in der Unterscheidung zu Ungunsten des Tieres — wie mich Herr Prof. Otto Stein-Prag gütigst belehrt — weiter zu gehen als die Bibel, denn obzwar im Sanskrit die Wurzel su (sü) ,,zeugen", ,,gebären" gleicherweise von Tier und Mensch gebraucht wird, — heißen die Tierjungen potaka 1 Über נפש, נשמה, רוה beim Tiere s. Wohlgemut!!, Das Tier, S. 14 ff. Auf Schopenhauers Übersetzungsfehler weist schon Isaak Unna hin, Tierschütz im Judentum, 1928, S. 9.