Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Tierschätzung im Bibelwörterbuch
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 9)
- Language
- German
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49 Tierschätzung im Bibelwörterbuch Nur vom Tiere: אליה Fettschwanz, עצרי Fettschwanzwirbel, פרסה gespaltene Klaue, Huf, מראה Kropf (Lv 116), —■ wohl auch גחון (Gn 314 Lv 1142) Kriechbauch (Güntert, 26 f.)• תמים fehlerfrei heißt Tier und Mensch ohne körperliche Gebrechen. Die Leibesfehler beim Tier werden so bezeichnet wie beim Menschen: עוד blind, אלם stumm, חרש taub (von der Giftschlänge, die auf den Beschwörer nicht hört (Ps 585), פסח lahm, צולע hinkend, שרוע mit langem Gliede; dagegen קלופז (Lv 2223) unentwickelt, in der Bibel nur vom Tiere, nachbiblisch auch vom Menschen (Levy, Nh W b IV 309 ab). Das ohnmächtige Hinsinken wird bei der Antilope mit demselben Zeitwort עלף ausgedrückt wie vom Menschen (Jes 5120). Die Übereinstimmung der Ausdrücke läßt sich augenfällig beobachten in den Abschnitten über die Leibesfehler der Priester (Lev 211820־) und der Opfertiere (Lv 222!, 22) sowie in den entsprechenden VI. u. VII. Perek des Traktates Bechoroth. und im dritten Perek des Traktates Chulin. Schlußfolgerungen. Hunderte von biblischen Bezeichnungen, welche für die von Schopenhauer aufgestellten Begriffsgruppen angeführt ,werden können, bezeugen, daß die Bibel von den körperlichen Erscheinungen beim Tiere ebenso spricht, wie von den menschlichen. Für eine Herabsetzung des Ausdruckes kenne ich bloß folgende Beispiele: שגר אלפיך ועשתרות צאגך der Wurf des Rindes, מפלת das Gefallene, als Bezeichnung des Tierleichnams, תאכתא (Jer 224) für tierische Brunst, wofür aber תאוה oder אוה vorgeschlagen wird, also ein Ausdruck auch für menschliche Begierde. Hundertfach widerlegt erscheint also Schopenhauers Satz, daß die neueren Sprachen von der Bibel erlernt hätten die natürliehen Tätigkeiten des Tieres durch verächtlichen Ausdruck herabzusetzen. Einen weiteren Irrtum Schopenhauers hat Ignaz Ziegler (Die sittliche Welt des Judentums, I. 242 f.) treffend berichtigt. Schopenhauer erbost sich förmlich über Prov. 12, 10, welches er mit Luther übersetzt: Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes. ,,Erbarmt!“ welch' ein Ausdruck! .... Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man dem Tiere schuldig, in Europa, diesem Weltteil, der vom Foetor Judaicus so durchzogen ist, daß die augenfällige simple Wahrheit: ,,Das Tier ist im Wesent- Monatsschrift, 78. Jahrgang 4