Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 9)
- Language
- German
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82 Samuel Krauß wie in b Z. 25 der Genitivus ausfallen konnte; so wie das Ding jetzt vor uns steht, ist meine Übersetzung die allein richtige. Leider fehlt es uns an jeglichem Mittel, diesen Marinus zu identifizieren, und nur Sachkenntnis hätte da ausgeholfen. Neben R. Josua b. Perachja genannt, möchte ich in ihm Juda ben T a b b a i vermuten1. Wir wissen, wie in einem bestimmten Falle die Tradition schwankt zwischen diesen beiden Großen (s. W e i ß, ,/"דחי I 135). Als er, an die Spitze des Synedrions berufen, von Alexandrien zurückkehrt, spielt sich in der Herberge zwischen ihm und einem bestimmten ,,Schüler“ jene Szene ab, die sonst dem R. Josua b. Perachja beigelegt wird, und dieser Schüler war Jesus. Von Jerusalem aus wurde an Alexandrien geschrieben: ״Mein Verlobter“ (so j. Chag. II 2, 77d, bzw. ״mein Ehegemahl“, so b. Sota E. in unzensierten Ausgaben) ,,wohnt bei dir, und ich bin vereinsamt“ (vgl. Graetz III 4. Aufl. 131 und 138). Dieses בעל, Gemahl und Herr zugleich, steckt irgendwie in מרינום, das an aram. בר etc. (davonauch מרתא Martha) anklingt; vgl. verschiedene Namensformen davon bei Lidzbars lc i, Handbuch der nordsem. Epigr. I 317, darunter auch מדינם. Auf Juda ben Tabbai paßt der Name ״der große Alte der Juden“, d. i. der große Senator, da er Vorsitzender des Synedrion war und diese seine Eigenschaft auch betont wird. ’ Warum es freilich dem T. J.-Schreiber gefiel, gerade diesen Namen so geheimnisvoll zu gestalten, kann ich nicht angeben; vielleicht macht es die amtliche oder politische Stellung neben Tiberius und' Pilatus. Von der Chronologie müssen wir natürlich absehen; es ist das aber die Chronologie, die hier vorherrscht. Zu ״Pilatus“ eine Bemerkung. Um das ganze T. J.-Unwesen in Mißkredit zu bringen, schreibt Heller (S. 36): ״Selbst Herodes ... wird gerechtfertigt: Weil die christliche Überlieferung ihn als Kindesmörder verschreit, wird er im Toldoth zum Hort der Sittlichkeit, zum Rächer des Ehebruchs (Krauß S. 33). Ja noch mehr: Pilatus, der doch alle Wut des Judentums redlich verdient, wird zum Gesinnungsgenossen der Räbbinen“ (Krauß 1 Nachträglich sehe ich, daß auch R, E i s 1 e r diese Vermutung hat, aber aus anderen Gründen. I. L 6v 1 91 144) ist übrigens dagegen; s! weiter unten.