Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 5)
- Language
- German
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48 Samuel Krauß nicht folgen, weil ich unsere Fragmente für diese Beweisführung nicht für ausreichend finde. Aber gesetzt den Fall, G. habe in allen seinen Bemerkungen recht — was beweist das? Ist daraus zu erweisen, daß der Verfasser bloß das nachahme, was in den Targumim, besonders im Targum Onkelos, niedergelegt ist? Nach der Klassifizierung bei Dalman (Gramm, des j.-pal. Aramäisch, 2. Aufl., S. 27) gibt es neben ,,jüdischen“, galiläischen und babylonischen Schriftdenkmälern auch solche mit gemischtem Sprachtypus, zu denen er z. B. die verschiedenen ״jerusalemischen“ Targumim rechnet; sind diese Texte darum ־minderwertig oder nicht in ״lebendigem“ Aramäisch verfaßt? E i n Punkt der Ginzberg ,sehen Beweisführung soll besonders beleuchtet werden, weih es. auch zum Verständnis der Sache beiträgt. In den Geniza-Texten Nr. I und II heißt es, Jesus habe sich in einen Vogel verwandelt, genauer in einen Hahn, sei weggeflogen — vgl. den ,,Luftkampf“ der anderen T. J.-Texte — aber Judas sei ihm nachgeflogen und habe ihn erfaßt an seinem שושיפא. Nun fragt G. (S. 326, vgl. 337), wenn Jesus ein Vogel war, woher das Gewand an seinem Leibe? Er hätte ebenso fragen können, wie konnte man ihn ans Kreuz schlagen — das wird nämlich gleich darauf berichtet — da er doch kein Mensch war? Daß er sich nämlich zu einem Menschen zurück verwandelte, wird gar nicht gesagt. Offenbar brauchte das gar nicht gesagt zu werden, da doch die Meinung des Textes die ist, Judas habe den Rekord der Zauberkünste Jesu geschlagen; für ihn war er eben kein Vogel, sondern Mensch, und konnte beim Mantelkragen gepackt werden. Aber G. konstruiert sich infolge seiner Frage folgendes Vorgehen des Verfassers: Für ihn ist שושיפא Kamm des Hahnes! Der Verfasser habe nämlich gefunden, daß 'ש synonym ist mit כרבנלתא, und letzteres könne sowohl ein Mantelkragen als ein Hahnenkamm sein; G. läßt also den Jesus im Sinne des Verfassers noch weiter Hahn sein, was aber nicht wahr ist, wie soeben gesagt worden. Gleich dabei führt G. noch folgendes aus: In der Aggada über Bileam, den Pinechas in der Luft bekämpft, kommt der Ausdruck vor וחפשו בציצית ראשו, und so auch bei Jannes und Jambres, also müsse der Verfasser mit ואתריה בשושיפא den ציין des Hahnes meinen. Hinc illae lacrymae! Weil ציץ an ציצית anklingt, muß dem armen Verfasser der sprachliche