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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 1 · p. Seite 41

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 1
Article
Schlußwort
Date
1933-01-01
Page
Seite 41 (sequence 24)
Language
German
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Klausners Jesus-Werk 41 Fällen ein ebensalch summarisches Vernichtungsv-erdikt auszusprechen? Können etwa zwei oder auch mehr Fehlgriffe eines Autors bewirken, daß schon infolg־e dieser Tatsache die ganze Summe seiner jahrzehntelang an1״ gestellten Untersuchungen von vornherein als abgetan zu gelten haben? Die Wissenschaft würde dabei am schlimmsten davonkommen,׳ weil auch die besten Werke ihre Fehler haben. Man wird sich also auch gegnerischen Fachforschungen gegenüber trotz strengster Reserve zur Untersuchung der. Einzelposten bequemen müssen und im einzelnen über den Wert derselben zu befinden haben. J. M. Robertson hat in seinem ״Jesus and Judas“ manches gesagt, was auch Klausners Beachtung verdient hätte. Selbst die anfechtbare Etymologie von ״Iscariotes“, die übrigens nicht von ihm stammt, ist nicht ganz belanglos. Zumindest erinnert sie an ähnliche Versuche bei den Kirchenvätern. Hieronymus kennt die Etymologie Klausners, denkt aber gleichzeitig auch an eine Herleitung des Judas aus dem Stamme Isachar. Weitere Etymologien vgl. Knabenbauer zu Mt 104. Soviel steht also fest, daß den Kirchenvätern keine Tradition von der judäischen Äb~ stammung des Judas bekannt war. Die Sicherheit, mit der Klausner aus: einer bloßen Etymologie nicht nur die judäische Abstammung, sondern auch die den Verrat aufklärende Prädisposition dieses rätselhaftesten aller Apostel herausdeutet, ist mehr als überraschend. Gerade bei Judas wäre mehr Kritik und weniger Buchstabengläubigkeit angebracht gewesen. Schon vor nahezu 80 Jahren hat Prof. G. Volkmar auf die merkwürdige Tatsache hingewiesen, daß die Apokalypse noch von keinem Verräter unter den• Aposteln weiß, daß sie von allen zwölf mit gleicher Würdigung redet. Er. meint daher, daß es sich um eine spätere Dichtung handelt, die den Zweck hatte, in Judas das Judentum zu brandmarken (Volkmar, Die Religion Jesu, S. 190; 260 ff-. Man vgl. auch. Joel, Blicke in die Reiigionsgeschichte, II, 150 ff.). Es wurde ferner festgestellt, daß kein Kirchenvater vor Irenaeus auf Judas anspielt (P. C. Sense, Historicäl Inquiry into the Origin of the Third Gospel, 283). Beachtenswert ist ferner Prof. R. Bultmann, Die Ge-׳, schichte der synoptischen Tradition, 1921, S. 159).. Weitere Literaturn ach-» weise bei Robertson a. a. O. S. 8 f. Zum Schluß sei nur noch bemerkt, daß die um Judas sich türmenden Schwierigkeiten auch von dogmatisch orientierten Theologen nicht ganz verkannt werden. Daß Klausners Judas die Evangelienwidersprüche hinsichtlich des Lebens und der Lehre Jesu bereits gekannt habe, haben wir oben schon erwähnt. Weit schwerer dürfte' es auch einem Klausner fallen, die Judas betreffenden Widersprüche in' ähnlicher Weise beizulegen. Im allgemeinen gilt auch von der Zeichnung der Judasgestalt die Bemerkung, daß sie nach zwei Seiten hin ihre bedenkliehen Mängel hat, sowohl in dem, was Klausner niedergeschrieben, und vielleicht noch mehr in dem, was er seinen Lesern verschwiegen hat. Das ist um so bedauerlicher, als ja Judas von jeher im Brennpunkte judengegnerischer Apologetik gestanden hat. Wenn irgendwo sonst, so wäre hier eine tieferschürfende Kritik am Platze gewesen, zumindest aber eine ernstere Beachtung von einschlägigen Untersuchungen, soweit sie von seiten christlicher Forscher fertig vorliegen.

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