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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 1 · p. Seite 38

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 1
Article
Schlußwort
Date
1933-01-01
Page
Seite 38 (sequence 21)
Language
German
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38 Michael Guttmann Deinard!kann־ nicht eher als abgetan gelten, bis nicht der sachliche Teil seiner Einwendungen sachliche Entkräftung gefunden hat. Das hat Klausner niemals versucht, auch seine neueste Ausgabe läßt eine sachlich berechtigte Revision ganz vermissen. Zu c). In diesem Punkte habe ich am wenigsten auf Widerstand ge« rechnet. Den h. Epiphanius unter den Einfluß des Talmuds zu stellen, ist ein starkes Stück. Man braucht nur zu lesen, was Epiph. über die Blindheit und Härte der Juden (Panar. S. 1036 ed. Oehler Bd. 3, S. 407) und gegen die jüdischen׳ Sekten (ebd. S. 30 ff.; Bd. 1, 60 ff.) schreibt. Nun zur Beweisstelle selbst. Sie unterscheidet sich vom Talmud nicht nur darin, daß sie den Namen Josua ben Perachja weglassend bloß Alexander und Salina nennt, sondern vielmehr darin, daß sie von den letzteren sowohl die Königsals die Priesterwürde auf Jesus übertragen läßt. Epiphanius läßt also Jesum als ordnungsmäßig berechtigten Erben der doppelten von Alexander innegehabten Würde erscheinen (vgl. bes. Pan. S. 118; ed. Oehler S. 230. haer. 293). Woher Epiph. diese Tradition genommen hat, ist bis heute noch nicht aufgeklärt, aber sie unserer Talmudstelle zuzuschieben, geht auch nicht. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf zwei in Nippur aufgefundene Inkantationstexte Hinweisen (James A. Montgomery, Aramaic Incantation, Texts from Nippur, Philadelphia 1913. Nr. 32 (S. 225) und Nr. 34 (S. 231) u. Montgomery 3. 227).* In Nr. 32 werden die bösen Geister im Namen des רב יישוע בר פרחיא beschworen, in Nr. 34 im Namen des יישוע אסיא, was Montgomery mit ,Jesus Soter' identifiziert. Man vgl. J. N. Epsteiny REJ Bd. 73 (27—58) u. Bd. 74 (40—68). Für unsere zwei Texte ist besonders Bd. 74, S. 44 ff. zu vergleichen. Es wäre verfrüht, jetzt schon ein abschließendes Urteil über diese Texte zu fällen. Auffällig bleibt es auf jeden Fall, daß im fernen Babylonien die Namen ״Jesua ben Perachja" und ״Jesua Aßja" (Soter) gleichmäßig für Beschwörungen gebraucht wurden. Hinsichtlich des Kreises, in dem solche Beschwörungen üblich waren, kann man wohl verschiedener Meinung sein; man wird ihn jedoch kaum in der den jüdischen Hochschulen nahestehenden Schicht suchen dürfen. In der talmudischen Tradition, figuriert Josua ben Perachja niemals als Geisterbezwinger, führt auch niemals den Titel ירב es fehlt ihm überhaupt auch jeder andere Titel. Auch ״Jesua Aßja" ist ein dem babylonischen Talmud fremder Begriff. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt hier eine von unserem Talmud ganz unabhängige Tradition vor, die ihren eigenen Volkskreis hatte, und zwar einen Volkskreis, der in ״Jesus Soter" und ״Josua ben Perachja" gleichgeartete geisterbezwingende Wundermenschen sahen., Jesus taucht hier noch nicht als religiöser Mittelpunkt auf. Zu d). Klausners Eingriff in den talmudischen Text hat mit fachwissenschaftlicher Vermutung nichts zu tun. Ein Fachtalmudist würde dies auch niemals mitmachen können, ohne seinem eigenen Fache untreu zu 1 Mein ehemaliger Hörer Herr Dr. Paul Hirschler (Stuhlweißenburg) hat mich zuerst auf diese Texte aufmerksam gemacht.

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