Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlußwort
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 20)
- Language
- German
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Klausners Jesus-Werk 37 rischen Apologetik verliert. Der kirchliche Jesus ist schon seiner ihm zugeschriebenen gottmenschlichen Natur zufolge unparallelisierbar. Der Jesus liberaler Forschung ist aber ebensowenig parallelisierbar, weil man sich doch fragen muß, ob ein ähnlicher Prozeß von Abstraktionen und Gegensatzmilderungen nicht auch anderen großen Persönlichkeiten eine mit gewöhnlichen Maß« Stäben unmeßbare Höhenlage verleihen könnte. Es ist daher von vornherein verfehlt, den durch Abstraktionen sublimierten Jesustyp dem konkreten, voll und ganz menschlichen Hillel gegenüberzustellen. Soviel zur Klarstellung des Standpunktes, von dem aus Klausners Buch im allgemeinen zu beurteilen wäre. Eine wissen« schaftlich zureichend begründete dogmenfreie Darstellung des Lebens Jesu suchte man bei Klausner. Das würde freilich einen selbsterarbeiteten unabhängigen Neubau erfordern. In Wahr« heit hat Klausner zu weit gehende Anleihen bei den christlichen Schulen gemacht, die ohne die dazugehörigen Glaubensgrund״ lagen nicht tragbar sind. Zu b). Ich möchte nicht mit einer Gegenfrage antworten,, muß aber auf die Tatsache, hinweisen, daß! Klausner trotz näherer Kenntnis seiner Kritiker es für gut gefunden hat, keinen einzigen Namen zu nennen, einerlei ob es sich um streng sachliche Beurteiler oder gereizte Verurteiler handelt. Allesamt werden sie in einer einzigen, wenigsagenden Anmerkung am Schluß des Buches wie in einem Massengrab der Vergessenheit übergeben. Von einer ernstlichen Beachtung der ihm. nicht zustimmenden Urteile ist auch in der neuesten Auflage keine Spur zu entdecken. Wenn ich nun bloß drei von den Totgeschwiegenen in einer knapp gehaltenen Fußnote mit Namen nannte (Prof. Zeitlin, Eisenstein und Deinard), so dachte ich zunächst an die Verschiedenheit der Kreise, die Klausners Buch ablehnen, ich nannte auch noch einen Vierten (Dr. N. Kraß), der wohl nicht als Buchrezensent in, Frage kommt, der aber in einer vor Tausenden von Zu״ hörern gehaltenen Rede Klausners Stellungnahme aufs entschiedenste widersprochen hat. Daß zwei dieser Namen unerwähnt hätten bleiben müssen, ist hei unserer heutigen nicht ganz zunftmäßig eingestellten Welt nicht leicht 'einzusehen. Die Nennung Eisensteins dürfte als Vergehen nicht allzu schwer in die Waagschale fallen. Seine auf 21 Quarthände sich er״ streckenden 11 Ozar״Werke dürften es z. T. entschuldigen. Aber selbst der heftige Deinard hat. manche Frage gestellt, die Klausner nicht zu beant״ Worten vermag. Den pamphletartigen Ton eines Deinard wird niemand gut״ heißen, aber ebensowenig wird sich ein ernster ' Wissenschaftler mit der Methode: Klausners abfinden׳ können, der seine unliebsamen Kritiker strategisch, aber nicht wissenschaftlich zu beseitigen sucht. Selbst; ein