Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlußwort
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 18)
- Language
- German
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Klausners Jesus-Werk 35 die Frage nach dem Tribut an den Kaiser; manchmal äußerte er sich wiederum sehr scharf über, den Tempel und über die besten Führer des Volkes. Einmal sagte er: ״Jeder, der nicht gegen uns ist, ist für uns , und dann wieder: ״Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich. Er befahl: ״Widerstehe nicht dem tiber״, obwohl er selbst sich gegen die Wechsler und Händler erhob und sich ohne jede Vollmacht das Richteramt beim Tempel anmaßte. Einmal bemerkte er7 daß man alles Gut den Armen geben müsse, und erlaubte dann doch, daß man ihn mit Myrrhe für 300 Denare salbte (446—447). Die Beispiele sind hier zwar sehr vorsichtig gewählt; an den wesentlichsten Widersprüchen in der Ethik selbst geht Klausner vorbei; doch dürfte für die Stellung Klausners zu den neutestamentlichen Widersprüchen auch das deutlich aus״ gesprochene eine Dutzend von Beispielen ausreichen. Und wenn Judas schon zu Lebzeiten Jesu all diese Widersprüche gekannt hat, so müssen es urgegebene Widersprüche gewesen sein. Für Klausner kommt also der dritte Interpretationstypus *hinsichtlich der Ethik Jesu in Wegfall. Noch weniger kommt der zweite Typus in Betracht, der wohl wie Klausner die Widersprüche als reale Gegebenheiten hinnimmt, der sie aber anstandslos auch ins ethische System einfließen läßt und dadurch des ethischen Idealbildes verlustig wird. Es bleibt nur noch der konservative oder kirchliche Interpretationstypus, der als einziger beides an״ zuerkennen vermag: die Realität der Widersprüche und die Idealität der Ethik Jesu. Allerdings gehört dazu das Dogma von der Gottessohnschaft bzw. von der Göttlichkeit Jesu. — Dieses Dogma lehnt aber Klausner offen ab. Man wird nach alledem ״den verschiedensten Kreisen"", bei denen Klausners Theorie ״Proteste und Erbitterung"" ausgelöst hat,. mehr Verständnis entgegenbringen. Klausner spielt hier mit einer Behauptung, die in seinem eigenen Buche als Fremdkörper erscheinen muß. Wer Jesus als unvergleichlichen Lehrer für die ganze und übergeschichtliche Ethik in Anspruch nehmen will, der muß entweder den Standpunkt der Kirche einnehmen, oder durch radikal kritische Methoden die widerspruchsvollen Traditionen aus dem Wege räumen. Nur noch ein Wort über die Parallele, die Klausner zwischen Hillel und Jesus zieht. Hillel, der schon vor Jesus, und zwar einem Heiden gegenüber, die ganze jüdische Lehre in die be״ 3’