Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlußwort
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 16)
- Language
- German
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Klausners Jesus-Werk 33 Jesu" in ein einheitliches menschliches Bild zeigt das Leben Jesu eine Mischung von Fehlern und Vorzügen, wie sie sich naturgemäß in allem Menschlichen wiederfindet (Das Christentum des Neuen Testaments 50 f.; 54 ff.; 72). ״Es wird“ — sagt H. — ״nach den Ausführungen dieses Abschnittes jedem einleuchten, welche Verkehrtheit die spätere Entwicklung des christ״ liehen Dogmas beging, als sie Jesus gegen seinen ausdrücklichen Willen (Matth 1917) zum sittlichen Vorbild! stempelte“ (69). Es ist nach H. ver״ fehlt, ״die Person Jesu als sittliches Urbild für moderne Menschen hin״ zustellen“ usw. ״Gewiß kann man viele Züge in der Persönlichkeit Jesu aufzeigen, die auch heute noch vorbildlich wirken können; um aber eine Gesamtpersönlichkeit als ethisches Vorbild hinstellen zu können, dazu genügt es nicht, daß einige Züge an ihr vorbildlich verwendbar seien. Es .müssen vielmehr alle Züge in ihr vorbildlich sein und keine in ihr enthalten sein, die dazu gar nicht mehr geeignet sind“ (70 f.). Neben vorbildlicher Milde und Demut verrät Jesus Züge einer ״abnormen Steigerung des Selbstgefühls“ (66 ff.). ״Die harten Scheltreden, die er bei jeder Gelegen״ heit gegen die Pharisäer aus stößt (Matth 2319 u. 33), stimmen wenig mit seiner Lehre, da er sie mit demselben Scheltwort (Narr) tituliert, auf das er Matth 522 die Strafe des höllischen Feuers setzt. Die mehrfach erwähnte rachsüchtige Erbitterung gegen die Städte, welche ihn oder seine Jünger nicht aufnehmen und seinen Wundern nicht glauben wollten... Die Ver״ fiuchung des Feigenbaumes zeigt, daß sein Zorn auch bei sehr harmlosen Veranlassungen aufzulodern fähig war. Die Weisung an die Jünger, vor der Gefangennahme sich mit Schwertern zu bewaffnen (Luk 2230«3s) kann ebensowenig als ein Ausbruch der vorbildlichen Sanftmut gedeutet werden wie das eigenmächtige und gesetzwidrige Hinaustreiben der Wechsler mit einer Geißel, das Verschütten ■ihres Geldes usw. Was würde man heute wohl sagen, wenn ein Schwärmer in der Kirche die Opferstöcke aus״ schüttete und den Kirchendiener samt dem Klingelbeutel! mit Geißelhieben aus der Kirche jagte?“ (69). Schwerer noch fällt in die Waagschale die von der Weltendnähe be״ stimmte Sozialethik Jesu. Im Hinblick auf diesen Endfag warnt Jesus vor einer Belastung mit Sorgen der Nahrung (Lc 2134). Daher auch die Ent״ Wertung oder Geringschätzung von Familiengründung und Familienleben (153 f.). ״Wer noch das Allergeringste von dem, was man irdisches Glück nennt, für sich zu reservieren sucht, sei es nun Famüienglück (Luk 1426), oder Ehre, oder Reichtum, oder auch nur eine behagliche Existenz, kurz, .wer nicht allem absagt, was er hat, der kann nicht Jesu Jünger sein (Luk 1433).“ Darin liegt ״die Mißachtung der Arbeit, des Eigentums und der Familienpflichten“ (145 ff.; 52; 66 ff. u. s.). Mit dem Weitende hängt auch das Ende des Volkselends zusammen (71). ״Wer, ehe er Jesu auf immer nachfolgt, sich die Augenblicke gönnen will, von d-en Seinen zu Hause auch nur Abschied zu nehmen,, der ist nicht geeignet zum Gottes״ reich (Luk 901-62); wer sich gar einfallen läßt, zuvor an seinem Vater die Monatsschrift, 77. Jahrgang 3