Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlußwort
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 13)
- Language
- German
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30 Mi chael. Guttmann scheinen, als eine um 18 Jahrhunderte zurückdatierte Sinngebung. Ebenso zeitverirrt scheint der ״orthodoxe" Pharisäer Klausners, den er der Religion Jesu gegenüberstellt. (S. 290—291 u. s.) ״Orthodox" und ״Liberal" gehören zur Terminologie der religiösen Neuorientierungen unserer Zeit. Im Bildungsprozeß der Urkirchen kommt ihnen keine Bedeutung zu. Jede Kirche1 hielt mit Märtyrerhingebung an dem fest, was sie ihr eigen nannte. Das unmittelbar an Jesus sich anlehnende Juden- Christentum war ein ״orthodoxes" Gesetzeschristentum, das päulinisch aufgebaute, ein ״orthodoxes" Mysterienchristentum. Die Treue zu religiösen Observanzen war auf beiden Seiten die gleiche. Was die christlichen Urgemeinden hüben und drüben in ihr Religionssystem eingewebt haben, dafür setzten sie sich auf beiden Seiten mit dem Leben ein. Überdies war erleichternde oder erschwerende Gesetzesexegese, soweit sie* gewisse Grenzen nicht überschritt, auch den Alten bekannt, blieb aber etwas rein Innerkonfessionelles. Hierher gehört auch die Tendenz, das religiöse Leben mit historisch aufgenötigten Lebens- Verhältnissen in Einklang zu bringen. Klausner selbst schreibt dies auch den Pharisäern zugute: ״Die Pharisäer suchten die Religion dem Leben anzupassen, und es kam ihnen dabei nicht darauf an, oh das zu neuen religiösen Erschwerungen oder zu. neiren Erleichterungen führte ... während die Sadduzäer sich eng־ an den Buchstaben hielten, interpretierten die Pharisäer zugleich von den Bedürfnissen des Lebens her. Das war ihr großes Verdienst: sie brachten damit den Gedanken der Entwicklung in die jüdische Religion" (S, 298). Entscheidend bleibt für die religionsgeschichtliche Beurteilung die. bereits erwähnte fundamentale Andersartigkeitr die Judentum und Christentum auseinanderhält. In beiden Religionen sind die verschiedensten Grade von Intensität wahrnehmbar, aber in keinem fehlt das Moment des Andersartigen. Noch im schwächsten Dämmerschein religiösen Lebens wird auf der einen Seite die Bezogenheit zu Gott in einem Imperativ,, in einer :הצרה/ ihren Ausdruck finden, und sei es bloß ein ״Höre Israel"; auf der anderen Seite aber in einem sakramentalen Sicheinlebenwollen in die Schicksals- und Heilsgemeihschaft des fleischgewordenen Erlösers.