Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlußwort
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 11)
- Language
- German
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28 Michael Guttmann usw.“ Hillel, der Pentateuch und die Schrift gelehrten sind hier auf eine: Ebene gestellt. Ebenso im folgenden Satz: ״So wie schon in der Thora Vorschriften stehen über Opfer und verbotene Speisen einerseits, und andererseits über die Liebe zum Fremdling, über den Grundsatz: ״IT eimzahle nicht und grolle nicht Y\ über die Rückgabe eines Pfandes u s w., so finden wir auch bei den S c h 1* i f t ge lehrten und Pharisäern Traditionen über Ethik und Gerechtigkeit neben solchen über ״A ussatz“ und ״Zelt eV Wenn auch an*- genommen werden kann, daß bis zur Makkabäerzeit die fünf Bücher Mosis meist nur in der Hand der Richter waren, während Psalmen, Sprüche Salomonis, Hiob, Koheleth, Daniel usw.“ (Volksbücher waren). S. 303—304. Ist somit der dritte Jesustyp die Grundlage Klausners, dann haben wir seine Pharisäer״ und ״Gesetzes“״Kritik einem zwei״ oder dreifachen Zufall zu verdanken. Der erste Zufall ist, daß• Jesus als geborener Jude zum Gegner oder Kritiker von ritua״■ listischen Religionselementen geworden ist. Mit derselben seelischen Veranlagung und Gemütsart würde er als geborener Grieche die Untugenden griechischer ״Pharisäer“ gegeißelt haben, wie Theophrast oder Plutarch es tun. Und mit demselben Eifer für ethische Alleinbeherrschung der ganzen Religions- Sphäre müßte er alle Observanzen rituell-kultischer Natur ablehnen, mögen sie nun dem griechischen, römischen oder einem beliebigen andern Religionsleben angehören. Ein von Kult und Ritus abstrahierter Jesus muß schon von vornherein infolge seines reduzierten Glaubensinhalts in offenem Gegensatz stehen zu jeder lebenswirklichen Vollreligion, denn eine solche tritt nirgends kult- und ritenfrei auf. Der gleiche Zufall gilt auch für Klausner selbst. Liberale christliche Schriftsteller denken ahnlieh, nur wendet sich ihre Kritik gegen die eigenen Observanzen und Riten. Am schwersten fällt jedoch ein weiterer Zufall ins Gewicht: Klausner tritt an sein Thema nicht als Historiker, sondem als moderner Parteimensch mit einer nicht minder parteiischen christlich-liberalen Ideologie des 20. oder besser des 19. Jahrhunderts. Nur aus der Perspektive theologischer Neu״ Orientierung liberalster Richtung aus erklärt sich einigermaßen die Verkennung der Urgegebenheit des Ritus im Glaubensleben.. Der Historiker aber dürfte diese Urgegebenheit am wenigsten 1 Von mir gesperrt.