Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 1 · p. Seite 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 1
Article
Schlußwort
Date
1933-01-01
Page
Seite 26 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829991-2829993-2849748--51756-2849802
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

26 Michael Guttmann ׳ die Gleichnisse vom alten Kleid und alten Schläuchen (Mt 913-17 u. Par.) gedeutet. Diese Gleichnisreden stehen zwar in Zusammenhang mit ,Fasten' und ,Händewaschen', also nachbiblischen Übungen; doch läßt sich die allgemein gehaltene Formulierung unschwer auf das gesamte Gesetz beziehen. Ist es nun der heidenchristliche Jesusty p., von dem aus Klausner an seine Gesetzeskritik herantritt? Dann hat er die Antithese unrichtig gewählt. Der Paulinismus hat das Entweder-Oder nicht zwischen ״Gesetz" und Ethik gestellt, sondern zwischen ״Gesetz" und ״Mysterium". Diese Antithese war schon vor Paulus lebendig1, insbesondere in den mystischen und orientalisch beeinflußten Seitenströmungen im Hellenismus. Diese waren in ihrem Antagonismus zum jüdischen Gesetz keineswegs durch ethische Renaissance״ Bestrebungen bestimmt, sondern durch eine grundsätzliche Andersartigkeit im Wesen der Beziehung zu Gott. Dem jüdischen ״Gesetz" galt der Kampf, und zwar nicht etwa, zugunsten einer prinzipiellen Gesetzlosigkeit oder Observanz״ losigkeit, sondern einer nicht minder gesetzbeherrschten Mysterienübung. Das von Paulus inaugurierte Christentum ist — das sprechen die vornicänischen Kirchenväter und andere freimütig aus — den vorchristlichen Mysterienkulten auffallend ähnlich. Die Deutungen dieser Ähnlichkeit ändern aber nichts an dem Tatbestand' des Urgegensatzes zwischen Mysterium und mosaischem Gesetz. Er blieb auch für später bestehen. Das jüdische Gesetz mit seinem Gebots Charakter, d. h. mit seiner Grundtendenz, einem göttlich geäußerten W i 11 e n Genüge zu tun, findet in dem instrumentalen Charakter. der Sakramente genau so seinen Gegensatz, wie vorher in den Mysterien. In beiden Gegenüberstellungen unterscheidet sich der Fromme darin, daß er auf jüdischer Seite seine Heilshoffnungen in Be- Ziehung bringt mit der Liebe Gottes zu denen, die seinem Willen nachkommen und seine Gebote erfüllen, auf. seiten der Mysterienreligionen er aber auf. sakramental-instrumentale Einlebung in Gott zum Ziele zu gelangen hofft Diese glaubenstheoretische Andersartigkeit des Sakramentswesens ist die eigentliche Grundlage des paulmischen und des 1־Vgl.'mein בחיבת קיום' המצוות' S. 79 ff. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.