Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlußwort
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 6)
- Language
- German
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Klausners .Jesus-Werk 23 Damit wäre den Angriffen auf die Pharisäer eine religions״ geschichtliche Deutung allgemeiner Natur gegeben, die den einzelnen Menschen, nicht aber die Lehre trifft. Denn Frömmler und Heuchler hat ja jede Religionsgemeinschaft. Und wenn nun mißverstandene Religionsübung und Heuchelei gerade im ״Pharisäer“ zu weltgeschichtlichem Ausdruck ge״ langte, so liegt es daran, daß Jesus als Juden die Heuchler seiner Landsleute besser bekannt waren als die anderer Volks״ gemeinschaften. Allerdings hat das Judentum viel unter diesem Zufall zu leiden, denn praktisch wurden die Vorwürfe nicht auf manche, sondern auf die Pharisäer bezogen. Doch für Klausner sind es wohl — wenigstens im ersten Teil seiner Er״ klärung — trotz des wiederholten ״häufig“ manche Pharisäer, gegen die Jesus in so schonungsloser Weise geeifert haben soll. Klausner fährt daher (ebenda) fort: ״Aber daraus folgt nicht, daß der Pharisäismus als solcher für diese Irrungen verantwortlich ist. Das Gegenteil läßt sich aus einem alten Spruch ableiten, der dem erbitterten Feind der Pharisäer, Alexander Jannai, zugeschrieben wird. . . . Wir ersehen aus dieser Stelle, daß Phariäis״ mus und Heuchelei sogar für seine jüdischen Gegner nicht identisch war, wie es denn in jeder Religion, Sekte und Partei überall und immer Heuchler gab, gibt und geben wird/' Noch deutlicher sind die darauffolgenden Worte: ״Was würden die christlichen Gelehrten sagen, wollten wir das Christentum weder nach seinem Stifter, noch nach seinen ersten Kirchen״ vätern, Heiligen and Märtyrern beurteilen, sondern nach den vielen heuch״ lerischen und scheinheiligen Christen aller Zeiten? usw/' In der zweiten Antwort leitet K. die Kritik von den einzelnen Phari״ säern auf die religiöse Grundlage der Schule hinüber. Die pharisäische Lehre habe einen ernsten Fehler. ״Dieser Fehler im pharisäischen System bestand darin, daß es die Pflichten der Menschen gegen Gott fast ebenso betonte, wie die zwischenmenschlichen Gebote, obwohl es auch nach pharisäischer Auffassung für deren Nichterfüllung keine Sühne gab und obwohl dem, der keine güten W e r k e a u f zuweisen hat te, auch, die peinlichste Be״ o b a c h tun g . der Thoravorschriften .nichts, nütz e/M — Und trotzdem besteht dieser ernste Fehlerl All diese Kautelen konnten ihn anscheinend nicht wieder gut machen, ln der Praxis kamen ja; doch die kultischen Vorschriften: in gleicher Weise zur Geltung wie.die ethischen. 1 Von mir gesperrt.