Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlußwort
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 5)
- Language
- German
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22 Mi chael Güttin arm > einzige Religion wahrnehmen lassen, die nicht ihren Kult ausgebaut oder ihn nur als geringfügiges Beiwerk bewertet hätte. Aber auch angenommen, daß in der Individualität Jesu kein Raum für kultisches Religionsleben vorhanden war, so muß jeder Versuch als verfehlt erscheinen, die persönliche Frömmig״ keit eines so beschaffenen Jesus als Maßstab zur Bewertung vollinhaltlich gegebener lebenswirklicher Religionen hinzustellen. Nur gleichbeinhaltete Komplexe können gegen einander abge״ schätzt werden. Wir kommen später auf diesen Punkt noch zurück. Nun wollen wir den von Klausner besprochenen Pro״ blemen näher treten. Als erstes emfiehlt sich Pharisäertum und Gesetz. Die Pharisäer bildeten nach Klausner ״die große Volkspartei und vertraten die Mittelklasse in den Städten und zum Teil auch in den Dörfern (deren Mehrheit allerdings aus ״Amme״haarez“ bestand), sowie die nationale Intelligenz usw. Sie bildeten die nationale Demokra t i e der Makkabäer epoche und der Zeit Jesu“. Mit anderen Worten: die Pharisäer bildeten den Kern des jüdischen Volkes. Diese ״nationale Demokratie“ hatte freilich ihre inneren Schichtungen. Neben dem intelligenten Mittelstand gab es an der einen Seite eine Gruppe von ״Amme״ haarez“ (ich lasse den Ausdruck unübersetzt, weil ״Landvolk“ oder ״unwissende Menge“ ihn nicht deckt), auf der andern Seite stehen die Schriftgelehrten (285). Und nun das Problem: Wie soll man sich die heftigen An״ griffe des Neuen Testaments, insbesondere der Evangelien, gegen die Pharisäer erklären? Wie steht es um das Recht dieser harten Anklagen? Klausners Antwort setzt sich aus zwei ver״ schiedenen Teilen zusammen. Im ersten spricht er von den Pharisäern, im zweiten vom Gesetz. Hinsichtlich der Pharisäer selbst, meint Klausner, seien die Vorwürfe Jesu nicht ganz von der Hand zu weisen: ״Die ältere Mischna und Baraita seihst äußern sich häufig׳ (?) sehr scharf über gewisse Typen heuchlerischer oder extremer Pharisäer'' (287). ״Immerhin hatte auch Jesus genau wie: der . Talmud das Recht, die hau״ figen (?) Verzerrungen der pharisäischen Lehre (?), ,durch Scheinheiligkeit und Heuchelei, durch Ehrgeiz, Herrschsucht und Geldgier zu. ver״ urteilen" (289).־