Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Schlußwort
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 3)
- Language
- German
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20 Mi chael Guttmann pretationsmotiv in Wegfall kommen mußte. Aus diesem Grundunterschied fließen manche Konsequenzen für die Be״ urteilung des Klausnerschen Buches. Die Tatsache an sich, daß kirchliche Pharisäer״ und Gesetzesgegnerschaft in zweifellosem Zusammenhang mit dogmatischer Gebundenheit auftritt, dürfte es zur Genüge rechtfertigen, wenn die gleiche oder eine ihr ähnliche Gegnerschaft seitens eines jüdischen Schriftstellers mit prüfendem Blick entgegengenommen wird. Ueberall sonst fällt fachübliche Entlehnung und Gefolgschaft weniger ins Gewicht als da, wo die Einstellung der Vorgänger durch deren religiösen Standpunkt mitbestimmt ist, den der Nachfolger nicht teilt. Wir werden daher von Fall zu Fall die Aeußerungen Klausners daraufhin zu prüfen haben, inwieweit sie unabhängig von den dogmatischen Voraussetzungen seiner Vorgänger standhalten können 1. Für die Beurteilung der nächstfolgenden Probleme scheint es uns angebracht, kurz und schematisch auf die großen Linien hinzuweisen, die uns in der religionsgeschichtlich determinierten Gestalt Jesu entgegentreten. Da es sich für uns nur um einen bestimmten Autor handelt, kommen wir mit drei Typen aus: a) Der Jesus des Judenchristentums ist noch nicht der inkarnierte Logos; er wird bloß als messianische Gestalt verehrt. Man hat hier die Ueberzeugung, daß Jesus nicht gekommen ist, um das mosaische Gesetz aufzuheben. Es lebte also in der judenchristlichen Gemeinde fort, und zwar nicht nur in seinen human״ethischen Bestimmungen, sondern ebenso intensiv auch in Kult und Ritus. b) Der Jesus des paulinischen bzw. Heidenchristentums ist als Erlöser in supranaturalistischem Sinne definiert, als Gott״ mensch. Als solcher abrogiert er unmittelbar oder mittelbar das mosaische Gesetz und begründet einen neuen Kult, in dessen Mittelpunkt Dogma und Sakrament stehen. Dieser Jesus ist es, der die Theologie des Neuen Testaments beherrscht. 1 Im Hinblick auf den knapp bemessenen Raum sahen wir uns ge״ nötigt, auf die Beigabe eines literarischen Apparats zu verzichten. Wir waren jedoch andererseits bestrebt, das Nötigste in ausreichender Deutlich« keit zu geben. Eine eingehendere quellenmäßig begründete Behandlung' des Gegenstandes hoffen wir an einer anderen Stelle geben zu können.