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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 1 · p. Seite 15

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 1
Article
Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
Date
1933-01-01
Page
Seite 15 (sequence 13)
Language
German
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Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie 15 Volkstums entzündet hat. Abraham Geiger, der in seinen Jugendbrieten an Dernburg am Judentum um dieses Charakteis willen ׳schier verzweifelt, spricht in der gegen Ende seines Lebens formu- Jierten Einleitung in die Wissenschaft des Judentums (Nachgel. -Sehr. Bd. 2 S.. 38) es aus, daß die jüdische Lehre durch ihre Verankerung in bestimmt umrissener Menschengruppe an Festigkeit, Klarheit und Wirkungskiaft gewaltig gewonnen habe. In der Tat, in dem auf eine wirkliche Menschengemeinschaft hingekehrten Auserwähltheitsgedanken und der ihm entsprechenden ■ Bejahung des Gesetzes, ganz gleich, ob es universales Sitten¬ oder partikulares Ritualgesetz ist, liegt von vornherein ein prak- Tischer Realismus von nicht auszumerzender Kraft. Weltflüchtigkeit und Akosmismus, die Identifizierung des empirischen Menschen mit der Sünde, die unheilbaie Zerreißung des Daseins in Welt -und Überwelt konnten sich im Bewußtsein eines Kreises nicht einnisten, der eine gewisse historische Realität in einem unmittelbar erfahrenen Gemeinschaftsleben von Gott selbst bestimmt fühlte. Es gehört zu den übertreibenden Antithesen, wenn zuweilen die Stärke der jüdischen Transzendenzempfindung, des;Schuldgefühls in der rabbinischen Frömmigkeit unterschätzt wird. Was geschah nicht alles ״um unsrer Sünden willen l“ Aber es ist psychologisch unausbleiblich, daß da, wr0 ein bestimmtes Menschentum, das jüdische, in seiner eigenen Geschichte, in seiner Berufung, in seinem Gehorsam gegen das Gottesgesetz, in seinen Leiden und seinem Martyrium für seine Überzeugung sich selbst erlebt/sich ein grundsätzlicher, ein metaphysischer Pessimismus nicht ausbreiten kann. Das besagt in unserm Zusammenhänge nicht, daß ein besonderer ,,Volksgeist" kraft seiner Eigenart solche Daseinsdeutang von sich wiese; sondern das Faktum einer wirklichen in aller Gebresthaftigkeit von Gott selber gewollten Geschichte bedeutet däs Erlebnis unmittelbarer Göttlichkeit. Die einfache Tatsache, daß das Judentum als Gottesvolk sich als ein Stück realisierten göttlichen Willens erfühlte, galt bei der Ungebrochenheit dieses Glaubens als starker Beweis, ja als Gewißheit für־ die Sinnerfülltheit irdischen Daseins, trotz aller Leiden, die mäh sich ja auch erklären konnte. ' ־•; . Wenn gerade die neuesten Wendungen der protestantischen Theologie (außer den Dialektikern, vgl. auch Ricarda Huchs

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