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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 1 · p. Seite 14

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 1
Article
Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
Date
1933-01-01
Page
Seite 14 (sequence 12)
Language
German
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14 Max Wiener י Aufgaben ein für allemal gespannt zu haben scheint. Wenn wir uns auf die Hauptstücke unseres ,Glaubens besinnen, so sind diese Lehren über Gott und die Seele, über Schuld, Sühne und Erlösung usw. von uns unwillkürlich so geformt, daß in ihrer Gestaltung vor allem die Distanz von. der christlichen in Erscheinung tritt, ebenso wie unsere klassische Religionsphilosophie in der Abhebung von der islamischen erwachsen ist. Die Folge war bisweilen und ganz besonders bei den neueren Versuchen auf diesem Gebiet in der Emanzipationsperiode, daß wir in eine! Art überbieten wollender Konkurrenz gewisse Seiten überbetont haben. Besonders galt das in der Unterstreichung des jüdischen .Universalismus. Das Christentum, schon in seiner Urzeit losgelöst von der Beziehung auf ein bestimmtes Volkstum, ja gerade in dieser Losgelöstheit sein Fundament und seinen wesentlichen Unterschied vom Judentum־ erschauend, konnte so in entschlossen begrenzter Blickrichtung auf das Individuum und sein Schicksal die Beziehung des Einzelmenschen zu Gott als den Kern seiner theologischen Problematik ausgestalten. Es hat gewiß auch in seiner Lehre vom göttlichen Naturrecht und in der Einspannung des. gesamten menschheitlichen Lebensprozesses in den Geschichtsraum von Weltschöpfung, Erscheinung und Wiederkunft Christi ein Interesse an der auf Gott .bezogenen Gesamt-Existenz der .Menschheit kundgetan. Beide Interessenrichtungen, die eine, die das Individuum und die andere, die die Menschheit überhaupt auf Gott bezieht, besitzt das Judentum auch. Es ist ja ■hierin der Ausgang der christlichen Bewegung gewesen und bei allem Unterschied ihr typisches Vorbild *geblieben. Aber im Judentum ist dauernd ein Mittelglied eingeschoben, das Volk Israel, ein eminent historisches Bestandstück für den religiösen Glauben wie für die theologische Besinnung. Hier sind nur mit ein paar Worten die gewaltigen Konsequenzen anzudeuten, die für unsere Theologie sich aus diesem konkret geschichtlichen Moment ergeben. Man darf urteilen, daß das, was den offenkundigen Unterschied der paulinisch-augusti- ..nischen Lehre von jüdischer Theo^ und Anthropologie ausmacht, wesentlich dadurch ,zwar nicht hervorgerufen, aber ermöglicht worden ist, daß sichr-das■.,Christentum :nicht wie das Judentum an der greif- und erlebbaren Realität eines bestimmten historischen

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