Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 14)
- Language
- German
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16 Joseph Klausner ״Luthers Glaube“) alles religiöse Menschsein ausschließlich in der Inneilichkeit des Verhältnisses zu Gott beruhen lassen, so blieb das Judentum davor bewahrt, weil die ihm wesenhafte Gemein- Schaftsfrömmigkeit mit ihrer Gesetzlichkeit ein solches Begrabenwerden im eigenen Selbst unmöglich machte. Blieb so die Hoch- Spannung des christlichen Spiritualismus, wesentlich genährt aus dem Gefühl des ,,absoluten Anders“ des Göttlichen, hier versagt, so auf der andern Seite ebenso die Gefahr der völligen Zerreißung der menschlichen Gesamtanliegen in den Bereich ״reiner“ Innerlichkeit und in ein ebenso reines Gebiet gottentleerter Welthaftigkeit. Es ist nicht unsre Aufgabe, darauf hinzuweisen, welch absonderliche Konsequenzen sich aus solchem Dualismus gerade heute für gewisse politische Erscheinungen ergeben haben, wie selbst ein machtvergötzender Nationalismus sich noch auf vorgebliche religiöse Innerlichkeit berufen zu können glaubt, welche die Sphäre äußeren Handelns dessen eigener Autonomie freigeben soll. Denn zum Wesen dieser Innerlichkeit scheint es für manche zu gehören, sich nicht äußern zu müssen, ja vielleicht gar sich nicht äußern zu dürfen. Uns geht hier nur unsere Sache an: der richtige Ansatz zur jüdischen Theologie, der aus der Einsicht in das charakteristische Grundverhältnis zwischen der universalen Idee und dem Komplex von Religionsvolk und dem ihm aufgegebenen Gesetz folgt, bildet auch das Fundament für die jüdische Ethik. Ihr Aufbau hätte zu bestätigen, daß die theologische Reflexion in rechter Einsicht in die Aussagen der jüdischen Offenbarung erfolgt ist. Nochmals: Klausners Jesus-Werk. 1. Erwiderungen auf M. Guttmanns Besprechung Jg. 1931, S, 250 ff. Von Joseph Klausner. a) Guttmann sagt, daß in meinem Buche ״Jesus van Nazareth“ nichts Neues geboten wird. — Wenn dem so ist, wie kommt es, daß. mein Buch nun in hebräischer Sprache die vierte, in englischer die siebente erreicht hat, daß die zweite Auflage der deutschen Ausgabe bevorsteht und schon in nächster Zeit drei neue Übersetzungen, eine französische, polnische und holländische, erscheinen werden? — Mein Buch ist doch keineswegs populär