Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 11)
- Language
- German
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Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie 13 sind und es offenbar gemäß all dem, was in einer zweitausendjährigen Geschichte von uns gewollt und mit uns gemeint war, bleiben sollen. Mit politischem Nationalismus und seinen weitliehen Zielsetzungen hat dieser Standpunkt nichts zu tun. Darin begegnen wir uns mit A. Schlesinger (,,Das Problem der Säkularisierung des Judentums“ MGWJ, Bd. 71, S. 331 ff.), der den unablösbar religiösen Charakter des jüdischen ,,Volkes“ betont und in der Abstreifung dieser Wesensart die Vernichtung des historischen Sinns des Judentums erblickt. Nur interessiert uns hier die andere Seite des Problems. Wir fragen nicht nach Eigenart und möglicher Wandlung des jüdischen ReligionsVolkes, sondern nach den wesenhaften Begriffsmerkmalen der jüdischen Religion, zu denen wir vor allem das Volk rechnen. Von hier aus fällt Licht auf die Tatsache, daß wir auch als religiöse Gemeinschaft etwas anderes sind wie der Bund gleichgesinnter Individuen, inniger auch zusammengeschlossen als die Kinder einer Kirche, deren Gesamtgeist alle ihre Glieder überwölbt; sondern daß wir als natürliche, als geborene Gemeinschaft, als ein Volk, dessen Geschichte zu seiner Gegenwart immer hinzugehört, die Erhalter der uns zuteil gewordenen Offenbaiung sind. Jüdische Theologie kann sich so nicht darauf beschränken, durch Abstraktion aus den religiösen Gedanken der Juden ein begriffliches Gefüge der xeligiösen Wahrheit abzuleiten, das in freier Luft schwebt, jedem dargeboten, der es nehmen will. Vielmehr gehört zu ihrem System die stete Besinnung auf das Religionsvolk selber und auf den Ausdruck dieses Faktums, das Religionsgesetz, das in dieser Funktion anerkannt bleibt, ob es in seinem ganzen Umfange erfüllt wird oder nicht. Darüber erst erhebt sich das geschichtsmetaphysische Problem, welchen Sinn in der göttlichen Ökonomie die berit mit einem besonderen Volke haben soll. Demnach trägt die jüdische Theologie, ganz abgesehen von dem Gehalt ihrer ,,Glaubenssätze“, im ganzen ihres Grundrisses ein von der christlichen wesentlich verschiedenes Gepräge. Beim Denken über jüdische Dinge liegt es nahe, Maßstäbe und Wertgedanken von dem großen uns umringenden Kulturkreise herzuholen. Reden wir von jüdischer Theologie, so müssen wir unwillkürlich auf die christliche blicken, die den Rahmen für solche